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Die "Schmelzhütte" feiert Jubiläum

150 Jahre Sarepta

Die Geschichte Sareptas begann auf einem Anwesen in der Bielefelder Innenstadt mit vier »ausgeliehenen« Kaiserswerther Diakonissen. Auch die erste Vorsteherin Emilie Heuser kam aus dem Mutterhaus Kaiserswerth in Düsseldorf. Diakonisse zu werden, das war für viele Frauen des 19. Jahrhunderts ein alternatives Lebensmodell. Sie entschieden sich für eine besondere Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft. Spiritualität und professionelles diakonisches Handeln gehörten für sie untrennbar zusammen. Die Diakonissen waren zur Ehelosigkeit verpflichtet, bekamen kein Gehalt, sondern ein Taschengeld sowie freie Kost und Logis und eine garantierte Versorgung im Alter. Ihr Dienst war an Demut und Gehorsam ausgerichtet. Eine hohe Arbeitsleistung bis hin zur Selbstaufopferung wurde ihnen abverlangt.
 
Im Jahr 1872 wurde Pastor Friedrich von Bodelschwingh in Personalunion Leiter der Anstalt für Epileptische und der Westfälischen Diakonissenanstalt. Im selben Jahr begann der Bau des Mutterhauses in Bethel als Krankenhaus, Ausbildungsstätte und Wohnhaus der Diakonissen. 1876, zwei Jahre nach dem Umzug aus Bielefeld, wurde der Name »Sarepta« für die Anstalt gewählt. Das ist die griechische Form des biblischen Ortsnamens Zarpath, auf Deutsch: »Schmelzhütte«. Zwei alttestamentliche Überlieferungen sind mit dem Namen verbunden. Die Westfälische Diakonissenanstalt Sarepta wuchs innerhalb eines halben Jahrhunderts stark an. Um 1900 lebten bereits etwa 1.000 Diakonissen in Sarepta. Im Jahre 1930 war die Anstalt mit rund 2.500 Diakonissen und diakonischen Schwestern das größte Mutterhaus des Protestantismus.

150 Jahre Sarepta
150 Jahre Sarepta

Die Zeit des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg überstand die Sarepta-Gemeinschaft; allerdings fiel das Mutterhaus den Bomben zum Opfer. Es wurde am 26. Oktober 1944 fast völlig zerstört. Auch die großen öffentlichen Krankenhäuser und andere Einrichtungen, die zu Sarepta gehörten, erlitten schwere Schäden.

In den Nachkriegsjahren ging es nicht mehr allein darum, den alten Zustand wiederherzustellen. Der Schwesternachwuchs ebbte ab, die Zahl der Schwestern im Ruhestand stieg gleichzeitig an. Eine Neuorientierung wurde notwendig. Zur Bewältigung der vielfältigen diakonischen Aufgaben in der pflegerischen und pädagogischen Arbeit war Sarepta auf die Mitarbeit von Frauen angewiesen, die nicht der Diakonissenschaft angehörten. Um Frauen die Möglichkeit zu geben, sich diakonisch zu engagieren, ohne sich für ein ganzes Leben zu binden, wurde 1953 die Ravensberger Schwesternschaft in der Stiftung Sarepta als selbstständige Gemeinschaft gegründet.

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150 Jahre Sarepta

Eine weitere gravierende Veränderung erfolgte 1996. Durch die Aufhebung von Genossenschaft, Ehelosigkeit und Tracht wurde eine neue Lebensordnung für die Schwestern Sareptas entwickelt. »Verheiratet, ledig, in Partnerschaft lebend, mit oder ohne Kinder – heute ist es unerheblich, in welcher Lebensform die Diakonissen ‚neuer Form‘ leben«, betont Diakonisse Anke Frickmann, seit 15 Jahren die Leitende Schwester Sareptas. 

Durch die Vereinigung der Diakonissenschaft und der Ravensberger Schwesternschaft im Januar 2004 entstand die Sarepta Schwesternschaft. Die zwei recht unterschiedlichen Ausprägungen sind seitdem eng zusammengewachsen. Als Ausdruck dieser Gemeinschaft tragen alle Sarepta Schwestern ein gemeinsames äußeres Zeichen – als Kette oder Brosche. Ein Kreuz als österliches Symbol der Hoffnung bildet den Mittelpunkt. Ein Durchbruch in der Mitte steht für den Durchbruch zum Leben. Und ein Stein, den jede Schwester für sich persönlich auswählt, symbolisiert den Stein, der vor dem Grab Christi lag und weggerollt werden musste.

Heute gehören 378 Frauen der Gemeinschaft an, darunter 106 Diakonissen »alter Form«, 52 Diakonissen »neuer Form« und 220 Diakonische Schwestern. Alle Schwestern haben sich mit ihrer Aufnahme zu einer diakonischen Tätigkeit im Haupt- oder Ehrenamt verpflichtet. Insgesamt sind rund 120 Sarepta Schwestern aktiv im Arbeitsleben. Hauptamtlich arbeiten mehr als 90 in der Diakonie. Davon sind etwa 50 Schwestern in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel tätig. Viele weitere setzen sich ehrenamtlich in Bethel ein – zum Beispiel in der Altenhilfe oder der Hospizarbeit. 

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150 Jahre Sarepta
150 Jahre Sarepta

Zulauf hat Sarepta vor allem bei den Diakonischen Schwestern. Das sind Frauen, die aus teilweise sehr unterschiedlichen Gründen zu der Sarepta-Gemeinschaft gehören wollen – ohne eingesegnete Diakonisse zu werden. Viele wollen sich sozial-diakonisch engagieren und damit Spiritualität verbinden. »Ich erlebe viele Frauen, die ihr Leben vertiefen möchten. Für sie machen wir die richtigen Angebote«, erzählt Anke Frickmann. Unter ihnen seien Frauen mit sehr unterschiedlichen Professionen – von der Juristin über die Künstlerin und Lehrerin bis zur Bibliothekarin und Reiseverkehrskauffrau.

Der zentrale Ort für die Sarepta Schwesternschaft ist heute das Haus der Stille auf dem Zionsberg in Bielefeld-Bethel. Hier finden unter anderem viele gemeinschaftliche Veranstaltungen statt sowie tägliche Andachtszeiten, die das geistliche Leben der Schwestern vertiefen. Ausdrücklich ist das Haus auch offen für Gäste, die einige Tage in der Stille Kraft schöpfen und beispielsweise meditative oder spirituelle Angebote nutzen wollen.

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