Menschennah | Geschichten aus Bethel

Kleines Zuhause mit großem Potenzial

Mike Ertel hebt den Blick zur Decke, breitet die Arme aus und dreht sich um sich selbst. Dann sagt er: „Als ich hier zum ersten Mal ‘reinkam, habe ich mich gleich in das Tiny House verliebt.“ Seit August 2021 wohnt er in dem Mini-Zuhause, das im Garten des Hauses Billerbeckstraße von Bethel.regional in Witten-Heven steht. Auf seinen 18 Quadratmetern fühlt sich der 45-Jährige, der eine psychische Erkrankung hat und viele Jahre auf der Straße lebte, so wohl wie schon lange nicht mehr. Die alternative Wohnform hat ihm geholfen, sich zu stabilisieren.

Mike Ertel in seiner Küche
Das Tiny-House steht im Garten der Einrichtung Haus Billerbeckstraße

Mike Ertels Unterkunft ist für ein Haus winzig. Tiny eben, wie man im Englischen sagt. Das Häuschen wirkt innen trotzdem großzügig und enthält alles Notwendige: Bett und Sofa, Tisch und Küchenzeile, Kleiderschrank und Badezimmer. Neben dem hellen Holzton der Wände und der Decke dominiert im Inneren des Mini-Hauses Königsblau. Klarer Fall: Der Bewohner ist Anhänger des FC Schalke 04. Mit Bettwäsche, Schals, einer Fahne, Postern und Postkarten im Design des Gelsenkirchener Fußballvereins hat Mike Ertel es sich seinem Reich gemütlich gemacht. „Mir gefällt es, dass ich das frische Holz des Hauses noch riechen kann. Und ich mag das plätschernde Geräusch, wenn es auf das Dach regnet“, erzählt er. „Ich bin gut eingerichtet und freue mich jeden Tag, dass ich hier wohne.“

Nach fast neun Jahren ohne festen Wohnsitz mit einem Psychiatrie-Aufenthalt kam Mike Ertel im Januar 2020 in das Haus Billerbeckstraße, ein Wohnangebot für Erwachsene mit chronisch psychischen Erkrankungen. Zunächst bezog er ein Apartment, bekundete aber schnell und sogar schriftlich sein Interesse, als sich die Gelegenheit zum Umzug in das gerade aufgestellte Tiny House bot. Denn im großen Gebäude mit Platz für 20 Bewohnerinnen und Bewohner ist es Mike Ertel manchmal zu lebendig und laut. Er mag es lieber still. „Hier habe ich meine Ruhe“, sagt er.

Mike Ertel steht mit einer Tasse in seinem Wohnzimmer
»Ich freue mich jeden Tag, dass ich hier wohne.«
Mike Ertel
Mike Ertel und Barbara Kristen stehen vor dem Tiny House
Mike Ertel und Barbara Kristen unterhalten sich im Garten des Hauses Billerbeckstraße vor dem Tiny House.

Barbara Kristen, Bereichsleiterin im Haus Billerbeckstraße, erachtet die jetzt erstmals von Bethel genutzte Wohnform als Möglichkeit für Klienten, einen Zwischenschritt auf dem Weg zur eigenen Wohnung zu machen. „Gleichzeitig lässt sich damit auch ein Wohnraum für Klienten schaffen, die besonders hohen Unterstützungsbedarf und Schwierigkeiten im Zusammenleben mit anderen und bei der Inanspruchnahme von herkömmlichen Unterstützungsleistungen haben“, erläutert sie. Das besondere Potenzial des Mini-Zuhauses erklärt Barbara Kristen so: „Das Tiny House ist vor allem für Menschen mit schweren chronischen psychischen Erkrankungen geeignet. Denn hier lassen sich eine selbstbestimmte Lebensführung in einem eigenen, überschaubaren Wohnumfeld und der Zugang zu Unterstützungsangeboten besonders gut miteinander verknüpfen.“ 

Mike Ertel freut sich jetzt auf den Sommer. Auf der kleinen Terrasse vor seinem Zuhause möchte er Kübel aufstellen. „Da kommen dann Sonnenblumen ‘rein“, sagt er: „Es soll ja schön sein.“

 

Text: Philipp Kreutzer | Fotos: Christian Weische

Diese Geschichte einfach gesprochen

Mike Ertel hat eine psychische Erkrankung. Der 45-Jährige lebte viele Jahre auf der Straße. Heute wohnt er in einem Wohnangebot von Bethel, einem „Tiny House“. Das bedeutet übersetzt "winziges Haus". Seine Unterkunft ist für ein Haus sehr klein. Aber es enthält alles Notwendige. Mike Ertel fühlt sich sehr wohl in seinem neuen Zuhause.

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Kontakt

Bethel.regional
Haus Billerbeckstraße

Billerbeckstraße 48
58455 Witten

Barbara Kristen
Bereichsleitung

02302 2052252
0178 6209810
barbara.kristen(at)bethel.de

Zur Website der Einrichtung​​​​​​​

Angebote & Leistungen

Das Angebot "Haus Billerbeckstraße" richtet sich an Bürgerinnen und Bürger im Erwachsenenalter sowie Junge Erwachsene mit einer (chronisch) psychischen Erkrankung aus Witten und dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Bethel steht den Klientinnen und Klienten bei der Organisation des Alltags und der Lebensplanung unterstützend zur Seite. Im Wittener Stadtteil Heven bietet Bethel in einem barrierefreien Haus 16 Einzelapartments mit eigener Küche und Duschbad sowie vier Einzelzimmer in einer Wohngruppe. 

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