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150 Jahre "Pfennigsammlung" für Bethel

Finanzielle Schwierigkeiten waren der Anlass: Im Februar 1871 wandte sich der Vorstand der Westfälischen Diakonissenanstalt Sarepta in Bielefeld an die Bevölkerung der Stadt und kündigte eine „wöchentliche Pfennig-Sammlung“ an.

Die Anstalt war zwei Jahre zuvor gegründet worden, um junge Frauen in der Pflege alter und kranker Menschen in der Stadt Bielefeld auszubilden. Im Diakonissenhaus wurden Zimmer für akut erkrankte Menschen eingerichtet. Für die Behandlung sollten sie, wie damals üblich, ein Pflegegeld zahlen. Zudem erhoffte man die eine oder andere Spende. Rasch zeigte sich aber, dass nur wenige Kranke dieses Pflegegeld zahlen konnten. Um als christliche Anstalt auch die ärmeren Kranken versorgen zu können, wurden Spenden umso wichtiger. Allerdings entwickelten sich die Spendeneingänge nicht wie gewünscht.

Mit Hilfe der „Mittheilungen“ informierte Friedrich v. Bodelschwingh anfangs die Mitglieder der Pfennig-Vereine. Repro: Historische Sammlung Bethel
Mit Hilfe der „Mittheilungen“ informierte Friedrich v. Bodelschwingh anfangs die Mitglieder der Pfennig-Vereine. Repro: Historische Sammlung Bethel

Um der Bevölkerung die Spende zu erleichtern, wollte die Anstalt nur Pfennige sammeln. Man war der Meinung: „Eine solche kleine Wochen-Ausgabe drückt gewiß Niemand.“ So genannte Kollektanten sollten von Haus zu Haus gehen, um das Geld einzusammeln. Von Zeit zu Zeit sollte „ein kleiner Rechenschafts-Bericht vom Erfolg dieser Pfennig-Sammlungen Nachricht geben“.

Als Friedrich v. Bodelschwingh 1872 die Leitung der „Anstalt für Epileptische“ und der Diakonissenanstalt übernahm, perfektionierte er die Sammlungen: Statt Spenden durch Kollektanten zusammentragen zu lassen, rief er zur Bildung sogenannter „Pfennig-Vereine“ auf. Deren Mitglieder sollten sich verpflichteten, regelmäßig Pfennigbeträge zu spenden. Um sie zu motivieren und über die Verwendung der Spenden zu informieren, gab Bodelschwingh 1877 erstmals ein „Mittheilungen“ genanntes Blättchen heraus, in dem er über die Arbeit informierte und eine Liste mit den Spendeneingängen abdruckte.

Da die Anstalt Bethel für epilepsiekranke Menschen ebenfalls auf Spenden angewiesen war, dehnte Bodelschwingh 1881 die Pfennigsammlungen auf Bethel aus. 1894 ersetzte er die „Mittheilungen“ durch ein umfangreicheres Heft – den „Boten von Bethel“.