Aktionswoche würdigt Pflegende Angehörige
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Aktionswoche würdigt Pflegende Angehörige

Bielefelds Sozialdezernent Ingo Nürnberger, der Vorstandsvorsitzender der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel Pastor Dr. Bartolt Haase und Marco Eltner, Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände (hinten v.l.n.r.) nutzten die Gelegenheit, sich mit Pflegenden Angehörigen wie Dagmar Schlemm auszutauschen. Foto: Manuel Bünemann
Mit einem festlichen Gala Diner in der Neuen Schmiede ist die Bielefelder Woche für Pflegende Angehörige offiziell eröffnet worden. Die Aktionswoche findet bereits zum zwölften Mal statt und bietet Pflegende Angehörigen bis zum 24. September zahlreiche Möglichkeiten, neue Kraft zu schöpfen, sich auszutauschen und Unterstützung zu erhalten. Die Bielefelder Woche für Pflegende Angehörige zählt bundesweit zu den etablierten Aktionsformaten, die Anerkennung, Information und Entlastung miteinander verbinden.
Dagmar Schlemm pflegt ihren an Demenz erkrankten Mann. Ihre Situation zeigt, wie wichtig verlässliche und bedarfsgerechte Hilfen sind. Dreimal in der Woche besucht ihr Mann die Gerontopsychiatrische Tagespflege in der Moltkestraße, zusätzlich kommt werktags ein Pflegedienst. Dennoch bleibt der Alltag für Dagmar Schlemm körperlich und seelisch fordernd. Auch nachts muss sie mehrmals aufstehen. Wenn ihr Mann zu Hause ist, benötigt er rund um die Uhr Aufmerksamkeit, unter anderem, um Stürze zu vermeiden.
Die Aktionswoche empfindet die 72-Jährige deshalb als wichtiges Zeichen. Das Gala Diner konnte sie besuchen, weil ihr Sohn in dieser Zeit bei ihrem Mann blieb. Auch an einem Theaterabend nahm sie gemeinsam mit ihrem Mann teil – ermöglicht durch die Begleitung ihrer Tochter. Besonders beschäftigt sie die Frage, was geschieht, wenn sie selbst erkrankt und die Pflege nicht mehr leisten kann. Gleichzeitig ist sie dankbar, dass ihr Mann friedlich ist und gerne in die Tagespflege geht.
„Wir nehmen wahr, was Sie leisten“, sagte Pastor Dr. Bartolt Haase, Vorstandsvorsitzender der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Gemeinsam mit Bielefelds Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer hat er in diesem Jahr die Schirmherrschaft des Vorzeigeprojekts übernommen, das es in dieser Art bundesweit nur in wenigen Städten gibt. Pastor Dr. Haase machte deutlich, dass die Pflege von Angehörigen keine rein private Aufgabe, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung sei. Zugleich forderte er aktuell von der Politik, die Diakonie und andere an der Pflege beteiligte Einrichtungen bei wichtigen Reformprozessen einzubeziehen und anzuhören.

Sozialdezernent Ingo Nürnberger, der die zweite Schirmherrin, Oberbürgermeisterin Dr. Bauer, bei der Eröffnung vertrat, würdigte die große Leistung, das Herzblut und die Geduld der Pflegenden Angehörigen. Er versicherte, dass bestehende Unterstützungsangebote wie die Pflegeberatung und die Quartiersarbeit trotz der schwierigen Haushaltslage der Stadt erhalten bleiben sollen.
Matthias Rotter, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände, sprach sich für stärker individualisierte Hilfen aus: Nicht die Pflegenden Angehörigen sollten sich an vorhandene Angebote anpassen müssen, sondern die Angebote an ihre jeweiligen Bedürfnisse.
Bereits am Donnerstag hatte die Aktionswoche mit dem Besuch des Theaterstücks „Sleepy Hollow“ im Theater am Alten Markt begonnen. 75 Pflegende Angehörige nutzten diese Gelegenheit für eine Auszeit vom Alltag. Weitere kostenfreie Angebote folgen, darunter gemeinsames Singen, ein multikulturelles Frühstück mit Beratungsmöglichkeiten und Überraschungstüten für Menschen, die nicht persönlich teilnehmen können. Zu den Hauptveranstaltungen haben sich insgesamt 419 Pflegende Angehörige angemeldet. Unterstützende Einrichtungen bieten innerhalb der Aktionswoche weitere Veranstaltungen für Pflegende Angehörige an.
In Bielefeld sind mehr als 20.000 Menschen pflegebedürftig. Rund 17.000 von ihnen werden ambulant versorgt, knapp 12.000 ausschließlich privat. Hinter diesen Zahlen stehen Angehörige, Freundinnen und Freunde oder Menschen aus der Nachbarschaft, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen. Die Aktionswoche macht ihre Leistung sichtbar – und schenkt ihnen Zeit, Aufmerksamkeit und Entlastung.