Bethel - Bauhaus-Kunst in Bethel
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Bauhaus-Kunst in Bethel

Die Beschäftigten der Weberei Bethel profitierten vom Wissen der Bauhaus-Künstlerin.
50. Todestag von Benita Koch-Otte
Die farbigen Textilkompositionen von Bauhaus-Künstlerin Benita Koch-Otte sind weltweit in Sammlungen vertreten: Sie gehörte zu den jungen aufstrebenden Künstlerinnen, die im frühen 20. Jahrhundert kunsthandwerkliche und kunstindustrielle Webereien erfolgreich leiteten. Trotz unzähliger Ausstellungen ist über ihre 23-jährige Tätigkeit in Bethel jedoch weniger bekannt – obwohl sie hier das wohl umfangreichste Erbe hinterließ. Ihr Schaffen wird anlässlich ihres 50. Todestages in neuen Ausstellungen gewürdigt.
Benita Koch-Otte (1892 in Stuttgart geboren) besuchte 1920 das Staatliche Bauhaus in Weimar. Sie wurde Teil der Webereiwerkstatt und besuchte einen Kurs an der Färbereifachschule in Krefeld sowie einen Fabrikantenkursus, um den Werkstattbetrieb der Bauhausweberei weiterzuentwickeln. Die dort gesammelten Erfahrungen wurden wegweisend für ihre spätere Arbeit in Bethel.
In Benita Koch-Otte (vorne im Bild) fand Julia von Bodelschwingh die gesuchte künstlerische Beraterin.
Benita Koch-Otte (1892 – 1976) studierte und arbeitete am Bauhaus in Weimar. Später leitetet sie die Betheler Weberei.
Im Herbst 1925 wurde Koch-Otte an die Kunstgewerbeschule der Stadt Halle auf der Burg Giebichenstein berufen. Hier übernahm sie die künstlerische Leitung der Handweberei-Werkstatt. Als die Nationalsozialisten im Mai 1933 alle „Bauhäusler“ auf der Burg Giebichenstein entließen, beschloss Benita Koch-Otte gemeinsam mit ihrem Ehemann und Fotografen Heinrich Koch, nach Prag zu gehen. Dem Umzug vorangegangen war ein erstes Treffen mit Julia von Bodelschwingh, der Ehefrau des damaligen Betheler Anstaltsleiters Friedrich von Bodelschwingh, in Berlin.
Bethel hatte seit seiner Gründung im Jahr 1867 zahlreiche Handwerksbetriebe eingerichtet, in denen Menschen mit Beeinträchtigung Beschäftigung fanden. Dieser Tradition folgend hatte Julia von Bodelschwingh seit 1913 eine Weberei aufgebaut und schuf damit erstmals auch (kunst)handwerkliche Arbeitsplätze für Frauen mit Behinderungen. Unter Julia von Bodelschwingh wurde der kunsthandwerkliche und damit auch der therapeutische Aspekt der Werkstatt immer weiter ausgeweitet. Sie suchte darum in den frühen 1930er-Jahren eine künstlerische Beraterin. Obwohl die Bodelschwinghs Benita Koch-Otte und ihrem Mann eine Anstellung in Bethel in Aussicht gestellt hatten, ging das Ehepaar nach Prag.
Nach dem tödlichen Verkehrsunfall ihres Mannes im März 1934 nahm Benita Koch-Otte ihre Arbeit in Bethel auf. Dort wirkte sie mit bei der Umgestaltung des Werkstattbetriebs, den sie über Jahrzehnte hinweg ausbaute. Sie unterrichtete in Farb- und Formlehre und schuf ein Umfeld, in dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen ertragreich zusammenarbeiten konnten. Koch-Otte setzte sich dafür ein, dass Menschen mit Beeinträchtigungen eine Gesellenprüfung ablegen konnten. Damit knüpfte sie an die Vision von Julia von Bodelschwingh an, die besagte, dass jeder Mensch ein Künstler oder eine Künstlerin sein kann.
Auch nach ihrer Pensionierung im Jahr 1957 fertigte Benita Koch-Otte noch Entwürfe für die Betheler Weberei an. Als sie Ende der 1960er-Jahre in das Betheler Altenheim Plettenberg-Stift in der Senne bei Bielefeld umzog, besuchte sie weiterhin Feste der Weberei und schien in ständigem Austausch zu bleiben. Ihr Vermächtnis in Bethel ist geprägt durch kunstvolle Teppiche, innovative Entwürfe und zahlreiche Farbstudien, die Weiterentwicklung der Stoffe, der Werkstatt und der Lehre. Als Benita Koch-Otte am 26. April 1976 im Alter von 83 Jahren starb, hinterließ sie weit mehr als die am Bauhaus geschaffenen Werke.
In diesem und im kommenden Jahr wird das Schaffen von Benita Koch-Otte in Ausstellungen erneut aufgearbeitet. Dabei werden auch Werke aus der Historischen Sammlung Bethel sowie Originaldokumente von Benita Koch-Otte aus dem Bestand des Hauptarchivs Bethel zu sehen sein.
Ausstellungstermine:
28. September bis 6. Dezember 2026
Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Halle a. d. Saale
1.Oktober 2027 bis 5. März 2028
Historisches Museum/Museum Huelsmann in Bielefeld

