Bethel - Bilanz zum Geschäftsjahr 2025

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Bilanz zum Geschäftsjahr 2025

Pastor Dr. Bartolt Haase (r.), Vorstandsvorsitzender der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, und Christoph Nolting, stellvertretender Vorstandsvorsitzender u.a. mit dem Schwerpunkt Finanzen/Wirtschaft, präsentieren den Jahresbericht 2025. Fotos: Christian Weische

Bethel blickt auf stabile Zahlen – klare Haltung gegen Ausgrenzung

Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel haben das Geschäftsjahr 2025 mit stabilen wirtschaftlichen Ergebnissen abgeschlossen – und sehen sich in wachsender gesellschaftlicher Verantwortung. Die Gesamterträge stiegen auf 2,05 Milliarden Euro (2024: 1,98 Milliarden Euro), das Jahresergebnis lag bei 13,83 Millionen Euro (2024: 11,25 Millionen Euro). Als gemeinnütziger Stiftungsverbund reinvestiert Bethel sämtliche Mittel vollständig in seine sozialen Angebote.

Dr. Bartolt Haase, seit Ende Januar 2026 neuer Vorstandsvorsitzender Bethels, betonte, dass hinter den Zahlen Menschen stehen, die sich einbringen und sich anvertrauen: „In meinen ersten Monaten als Vorstandsvorsitzender durfte ich bereits viele prägende Begegnungen erleben. Die direkten Gespräche mit Klientinnen und Klienten und Mitarbeitenden zeigen, mit wie viel Engagement, Fachlichkeit und Zuwendung unsere Arbeit gestaltet wird.“ Rund 270.000 Menschen nutzen jährlich ein Angebot der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die sich an gut 300 Standorten in acht Bundesländern für behinderte, kranke, alte oder benachteiligte Menschen einsetzen. Die Zahl der Mitarbeitenden erhöhte sich auf bundesweit 25.897 (+4,1 Prozent). Damit zählt Bethel zu den größten Arbeitgebern im deutschen Sozial- und Gesundheitswesen. Im kommenden Jahr feiert Bethel sein 160-jähriges Bestehen.

Um Bethels Angebote zukunftsfähig zu halten, wurden 2025 insgesamt rund 86 Millionen Euro investiert, insbesondere in medizinische Infrastruktur, Wohnangebote und Bildungsprojekte. Für 2026 sind weitere Investitionen von gut 105 Millionen Euro geplant – und das in unsicheren politischen Zeiten. „Die weiterhin angespannte Haushaltslage der öffentlichen Hand, steigende Personalkosten sowie strukturelle Herausforderungen im Sozial- und Gesundheitswesen wirkten sich direkt auf die Refinanzierungsbedingungen sozialer Leistungen aus“, mahnte Christoph Nolting, Finanzvorstand der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.

Eine sehr bedeutende Rolle spielen deswegen Spenden und Nachlässe: Mit 70,49 Millionen Euro sowie über 305.000 Einzelspenden leisteten Förderinnen und Förderer in 2025 einen entscheidenden Beitrag für Projekte, die über die Regelfinanzierung hinausgehen. „Bethel hilft und kann nur helfen dank des großen Rückhalts durch Spenderinnen und Spender“, dankte Pastor Bartolt Haase.

Aaron und Lea sind auf Plakaten und in Videos der Bethel-Kampagne „Siehst du mich?“ zu sehen.
Aaron und Lea sind auf Plakaten und in Videos der Bethel-Kampagne „Siehst du mich?“ zu sehen.

Neben den wirtschaftlichen Kennzahlen betont Bethel seine gesellschaftliche Verantwortung. Mit der Kampagne „Siehst du mich?“, in der Menschen aus Bethel mit einer einfachen und doch tiefgreifenden Frage für Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen werben, erreichte die Stiftung 2025 über 42 Millionen Ausspielungen in sozialen Medien. Gleichzeitig beobachtet Bethel eine neue Qualität von Hass und Menschenfeindlichkeit gegenüber Menschen mit Behinderungen im Netz. In Kommentaren wird teils offen die Würde der betroffenen verletzt und diesen Menschen sogar das Lebensrecht abgesprochen. 

„Ich bin sicher, dass eine große Mehrheit in Deutschland anders denkt als diejenigen, die diesen Hass verbreiten. Doch wir müssen unsere Mehrheit auch stimmlich wahrnehmbarer machen. Es ist wichtig, schon bei kleinen Ausgrenzungen Betroffenen zur Seite zu stehen und sich jeden Tag für Teilhabe und Menschenwürde einzusetzen“, forderte Pastor Bartolt Haase. Bethel setzt bewusst auf Sichtbarkeit, Gegenrede und gesellschaftliche Aufklärung.

Umso mehr schmerze der geplante Sozialabbau der Bundesregierung, bei dem viele Menschen still und leise aus der Teilhabe ausgegliedert würden, falls die Sparpläne umgesetzt werden. Reformen seien notwendig, dürften jedoch nicht dazu führen, dass Menschen mit Unterstützungsbedarf aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden. „Bei einer Rückabwicklung schon erreichter Teilhabe gehen wir nicht mit. Wir dürfen nicht am Menschen selbst sparen und daran, gleichwertig Mensch sein zu können“, sagte Pastor Bartolt Haase. 

Ein weiterer Fokus liegt auf dem Thema Einsamkeit, insbesondere bei jungen Menschen. Mit Projekten schafft Bethel gezielt Räume für Begegnung und soziale Teilhabe. Studien zeigen, dass Einsamkeit nicht nur individuelle Folgen hat, sondern auch gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet und Radikalisierung begünstigen kann. „Begegnungen sind der erste Schritt aus der Einsamkeit. Begegnung ist das, was Bethel ausmacht, in Verbindung von professioneller Arbeit mit Nächstenliebe. Das ist unsere diakonische Identität“, sagte Pastor Bartolt Haase.

Jahresbericht 2025/2026