Bethel - Pastor Ulrich Pohl geht Ende Januar in den Ruhestand

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Pastor Ulrich Pohl geht Ende Januar in den Ruhestand

"Bethel war ein Teil meines Lebens"

Am 1. Februar 2008 trat Pastor Ulrich Pohl den Vorstandsvorsitz in Bethel an. Nun geht er in den Ruhestand. Im Interview sprach er über leichte und schwere Entscheidungen, Alltag und Einsamkeit im Vorstandsbüro sowie über gelegentliche Schwierigkeiten, aus Bethel herauszukommen.

Pastor Pohl spricht mit erhobener Hand.
Fotos: Christian Weische

Herr Pohl, sagt Ihnen die Zahl 6.575 etwas?

PASTOR ULRICH POHL: Da mein Abschied näherrückt, vermute ich mal, dass das die Zahl der Tage ist, die ich Vorstandsvorsitzender war.

Das stimmt. Fast auf den Tag genau 18 Jahre. Können Sie sich noch an den ersten Tag erinnern?

POHL: In meiner Erinnerung war das ein gleitender Übergang. Ich war ja vorher schon Leiter im Dankort. Dort hatte ich auch mit meinem Vorgänger Pastor Friedrich Schophaus zu tun. Für mich war es also kein abrupter Wechsel.

Gab es am Anfang trotzdem einen Moment, in dem Sie gezweifelt haben und dachten: „Was habe ich mir da angetan?“

POHL: Eigentlich nicht. Ich kannte den Laden ja. Aber natürlich fragt man sich am Anfang mal, was da alles auf einen zukommt.

Welche Veränderungen haben Sie als erstes angestoßen?

POHL: Im Dankort haben wir einiges umgebaut. Wir haben zum Beispiel die Spenden- und Nachlassabteilung zusammengeführt – vorher waren die beiden eher Konkurrenten. Ich habe mir die Dinge in Bethel aber nach und nach angeschaut und im Grunde erst in der zweiten Hälfte des ersten Jahres begonnen, wirklich Neues einzuführen oder zu verändern. Schritt für Schritt – das war für mich immer der beste Weg.

Pastor Pohl steht am Fenster in seinem Büro. Auf der Fensterbank steht eine Figur des Leinewebers.

Bethel wird satzungsgemäß von einem Theologen geleitet…

POHL: Gottseidank! Das war immer so und bleibt auch so.

…Wirtschaftsunternehmen vergleichbarer Größe setzen auf Manager statt auf Theologen. Mussten Sie beides zugleich sein?

POHL: Beides musste sein. Aber ich war ja nicht alleine. Ich hatte zum Glück mit Dr. Rainer Norden jemanden an der Seite, der das Management sehr gut beherrschte. Auch in den anderen Arbeitsfeldern gab es ebenfalls Fachleute, die mitgezogen haben. Und ich habe großes Glück gehabt mit hervorragenden Verwaltungsräten – ob unter den beiden Herren Goldbeck, unter Frau Dr. von Schubert und anderen, die uns wohlwollend-kritisch begleitet haben. Das hat uns sehr geholfen.

Wirken Sie auf die Menschen eher als „Pastor“ oder als „Vorstandsvorsitzender“?

POHL: Ich glaube schon, dass die meisten Klientinnen und Klienten eher sagen: „Da ist Pastor Pohl.“ – und nicht: „Da ist der Vorstandsvorsitzende“ –, dann ist schon viel gewonnen. Ich wurde immer zu Alltagsproblemen angesprochen. Zu Essen und Trinken und Wohnen. Ich wollte immer ansprechbar bleiben, keine unnahbare Aura aufbauen und offen sein für Probleme. Wichtig ist: nicht nur mit Geschäftsführungen und Leitungen zu sprechen, sondern mit den Mitarbeitenden, den Menschen, die sich Bethel anvertrauen, und ihren Angehörigen. Ich hatte da nie Berührungsängste – das hat sicher auch mit meiner Herkunft aus dem Ruhrgebiet zu tun.

Blieb die Zeit, Pastor zu sein?

POHL: Ja, und ich halte es für entscheidend, dass im Bethel-Vorstand das diakonische Profil zentral vertreten ist. Das war immer auch meine Aufgabe. Ob Andachten, Gottesdienste mit und von Menschen mit Behinderung, Gemeindevertretung oder Seelsorge im Krankenhaus – das sind Felder, in denen ein Theologe am richtigen Platz ist. Aber er muss eben auch ein bisschen wirtschaftswissenschaftlichen Sachverstand mitbringen, sonst wird es schwierig. 

 War Friedrich v. Bodelschwingh da bis heute ein leuchtendes Beispiel? 

POHL: Ja, er war Pfarrer und Unternehmer – anders kann man es kaum nennen. Ein Teil davon musste ich auch sein, gerade weil wir sehr stark gewachsen sind, obwohl wir das eigentlich gar nicht wollten.

Bei Ihrem Antritt hatte Bethel 15.000 Mitarbeitende, heute sind es gut 25.000. War diese Entwicklung absehbar?

POHL: Nein, das war so nicht vorauszusehen. Vieles ist auf uns zugekommen. Gerade im Osten des Landes sind wir enorm gewachsen. Ob es die Stiftung Lazarus war, Lobetal oder das Diakoniewerk Niederlausitz: Es gab immer wieder Anfragen, ob wir nicht in schwierigen Zeiten zur Seite springen können. Ähnlich war es bei Eben-Ezer. Dort brauchte es einen wirtschaftlich kompetenten Partner. Wir haben in allen Regionen anfangs mehrere Millionen investiert, um erst einmal zu sanieren – diese Kraft haben wir dank unserer guten wirtschaftlichen Substanz. Und heute läuft es gut. 

In Ihrer Amtszeit haben sich junge Arbeitsfelder wie die Hospizarbeit stark entwickelt. Wie kam es dazu?

POHL: Dass wir in der Hospizarbeit so stark wachsen würden, konnten wir anfangs nicht voraussehen. Inzwischen haben wir neun stationäre Hospize und sind der größte evangelische Träger in diesem Bereich. Das Thema wurde immer wichtiger, auch weil es unsere Antwort auf die Debatte um den assistierten Suizid ist. Da haben wir eine klare Position vertreten, die sich anfangs deutlich von der Diakonie Deutschland unterschied – dort hat man sich unserer Sicht ja später weitgehend angeschlossen. Uns war wichtig, neben Pflege und medizinischer Versorgung immer auch eine gute seelsorgerische Begleitung der Gäste zu gewährleisten. Das war und ist zentral.

Mit welchem Gedanken sind Sie morgens ins Büro gegangen?

POHL: Ich wusste eigentlich selten, was alles an einem Tag auf mich zukommen würde. Ich hatte mit Susanne Woste ein hervorragendes Sekretariat, die mir das vorgelegt hat, was entschieden werden oder wo ich mitwirken musste. Dann habe ich mir jeweils die passenden Partner dazu gesucht, um zu überlegen, wie wir uns weiterentwickeln.

Macht der Vorstandsvorsitz einsam?

POHL: Nein, einsam habe ich mich keinen Tag gefühlt. Ich hatte überall Unterstützung, weil wir in Bethel wirklich fähige Leute hatten und haben. In allen Bereichen habe ich Unterstützung bekommen – man muss sie nur anfragen. Problematisch wird es, wenn jemand meint, alles allein entscheiden zu können. Das funktioniert nicht. 

Pastor Pohl sitzt in seinem Büro und spricht

Harte Entscheidungen bleiben trotzdem nicht aus?

POHL: Natürlich muss man manchmal auch Entscheidungen gegen einige Leute treffen. Das ist kein Amt, in dem man ständig Zustimmung bekommt. Ich habe sicher auch Fehler gemacht, und es tut mir leid, wenn ich Menschen verletzt habe. Wir haben aber im Vorstand immer gemeinsam entschieden und dann geschaut, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Alles nach bestem Wissen und Gewissen – auch wenn manche Entscheidungen umstritten waren. 

Zum Beispiel?

POHL: Wir haben richtungsweisende Grundsatzentscheidungen getroffen, auch gegen wichtige Stimmen in Bethel. Zum Beispiel, dass in unserem Zentrum von Bethel keine Häuser verkauft werden. Wir haben knapp 1.800 Dienstwohnungen – für mich ist das genauso wichtig wie Kindergärten und Schulen. Beides brauchen wir, um Nachwuchs auszubilden und Arbeitsplätze vor Ort attraktiv zu machen. 

Welche Entscheidung bereuen Sie?

POHL: Heute würde ich sagen: Die Realschule würde ich nicht noch einmal schließen. Die Sekundarschule funktioniert gut, keine Frage. Aber aus heutiger Sicht hätte auch die Realschule eine gute Berechtigung gehabt. Nur: Man muss im jeweiligen Moment entscheiden. Zwei Jahre später weiß man manches besser.

Welche schweren Phasen oder Krisen haben Sie besonders gefordert?

POHL: Die Corona-Krise war vielleicht die größte Herausforderung. Alles so zu organisieren, dass die Menschen geimpft wurden – und gleichzeitig zu erleben, dass ältere Menschen im Altenheim keinen Besuch bekamen, Patienten im Krankenhaus alleine lagen und teilweise auch alleine starben – das hat mich sehr belastet. Wirtschaftlich waren die letzten zwei Jahre im Krankenhausbereich alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Da hatten wir so manche Frage an den Bundesgesundheitsminister, ob das alles so richtig läuft. Der Ukraine-Krieg hat uns ebenfalls stark beschäftigt. Wir haben 111 Kinder mit teils schwersten Behinderungen aufgenommen; viele sind inzwischen erwachsen, etwa 50 von ihnen arbeiten heute bei uns. Dass Russland so rücksichtslos Krieg führt, ohne Rücksicht auf Menschenleben, kann ich bis heute nicht verstehen. 

Pastor Pohl zeigt auf Bilder aus seinen Bilderrahmen.

Sie haben Bundeskanzlerinnen, Bundespräsidenten und sogar die heute ehemalige japanische Kaiserin getroffen. Wie haben Sie diese Persönlichkeiten erlebt?

POHL: Die japanische Kaiserin ist eine hochgebildete, sehr kluge und ruhige Frau, die mich sehr beeindruckt hat. In Japan werden ganze Straßen gesperrt, wenn sie zur deutschen Botschaft fährt – das hat Eindruck gemacht. Die anderen Politikerinnen und Politiker hatten alle ihre Art. Gerhard Schröder etwa nahm ein Kind aus der Mamre-Patmos-Schule auf den Arm – am nächsten Tag war das Foto in der Bild-Zeitung. Der wusste genau, was er tut. Die Bundeskanzlerin und die Bundespräsidenten, die bei uns waren, sind uns durchweg positiv begegnet. 

Sie haben Frau Merkel eingeladen, als Sie ihr im Fahrstuhl im Kanzleramt begegnet sind. Stimmt die Geschichte?

POHL: Ja, die Chance wollte ich nutzen. Politikerbesuche sind nicht unwichtig. Für unsere Mitarbeitenden war das intern sehr bedeutsam. Sie waren zurecht stolz und haben ihre Arbeit hervorragend präsentiert. Nach außen war es wichtig, gesellschaftlich sichtbar zu bleiben und etwas für Menschen mit Einschränkungen zu erreichen – dazu braucht man Spitzenpolitiker, die mit ihrem Namen Aufmerksamkeit schaffen. Frau Merkel war uns immer sehr verbunden. Die habe ich immer gerne eingeladen. Die Patienten und Gäste Bethels haben diese Besuche sehr ernst genommen.

Gleichzeitig haben die politischen Vorgaben die Arbeit in Bethel auch nicht immer leichtgemacht.

POHL: Das stimmt. Ich habe etwa das Bundesteilhabegesetz immer für problematisch gehalten – nicht in der Zielrichtung, aber in der praktischen Umsetzung und Finanzierung. Wir hatten einen enormen Verwaltungsaufwand, um die damals vorgegebenen Strukturen umzusetzen. Dahinter standen viele Idealisten, die aus ihrer Perspektive etwas Gutes wollten, aber die praktische Umsetzbarkeit wurde unterschätzt. Ähnlich war es viele Jahre in der Schulpolitik. Behinderte Menschen haben nur sehr wenig vom BTHG gehabt.

Sie meinen die Inklusionsdebatte um die Förderschulen?

POHL: Ja. Unsere ehemalige Bildungsministerin hat Förderschulen mit weniger als 140 Schülerinnen und Schülern geschlossen – aus Inklusionsgründen, wie sie sagte. Ich habe ihr mehrfach gesagt, dass ich das für falsch halte. Es gibt Kinder, die gut in einer Regelschule aufgehoben sind, und darüber freue ich mich. Aber man muss die Schulen personell und strukturell vorbereiten, dafür sorgen, dass diese Kinder unter guten Bedingungen lernen und etwa auch an Klassenfahrten teilnehmen können. Wenn es von jetzt auf gleich im neuen Schuljahr laufen soll und niemand vorbereitet ist, dann scheitert das. Viele Eltern wollten ihre Kinder nach einiger Zeit wieder auf eine Förderschule schicken – nur gab es diese Schulen dann teilweise nicht mehr. So fördert man keine Inklusion, so produziert man Exklusion innerhalb der Regelschule. 

Bethel hat sich in Ihrer Amtszeit von der „Anstalt“ zum Stiftungsverbund gewandelt. Wie kam es zu diesem Schritt?

POHL: Der Begriff „Anstalt“ war belastet. Es gibt heute zwar noch Badeanstalten oder Rundfunkanstalten, aber für eine Einrichtung wie Bethel ist allein das Wort schwierig. Viele dachten bei „Anstalt“ an Schranken, Mauern, an einen abgeschlossenen Bereich, in den man kaum hineinkommt. In Bielefeld gibt es durchaus Menschen, die noch nie in Bethel waren. „Stiftung“ wird unserer Arbeit mehr gerecht. Das war auch politisch gewollt, dass sich die Eingliederungshilfe öffnet, aber Bethel war da selbst sehr aktiv, lange bevor die politische Vorgabe kam. Früher hieß es oft: „Alle Menschen mit Behinderung kommen nach Bethel.“ Das hat sich verändert. Bethel ist heute vor Ort bei den Menschen im Quartier präsent.

Gibt es ein Ereignis, das Sie im Positiven besonders berührt hat?

POHL: Ein Höhepunkt war für mich die Einweihung des Kinderkrankenhauses – noch besser war die große Kugelinstallation und Aktion, als wir mit allen Schülern der Stadt 3.500 Kugeln bemalt haben. Ich gehe da bis heute gerne hinein und schaue mir dieses Kugelkunstwerk an. Die Kinder erleben das Krankenhaus dadurch anders: nicht nur als Ort, an dem man ist, weil man krank ist, sondern als einen Ort, den sie mitgestaltet haben. Die ganze künstlerische Arbeit im Krankenhaus – ermöglicht auch durch viele Unterstützerinnen und Unterstützer – ist ein großes Geschenk.

Die Region Berlin-Brandenburg schien Ihnen immer eine besondere Herzensangelegenheit zu sein. War das so oder einfach Ihr Vorstandsbereich?

POHL: Es war mein Arbeitsbereich. Aber wenn ich irgendwo hingehe, dann richtig – mit Kopf und Herz. Wir haben den Stiftungsbereich Lobetal kräftig ausgebaut. Heute arbeiten dort ungefähr dreieinhalbtausend Mitarbeitende, von Nauen bis Dreibrück und von Cottbus bis Berlin. Gerade im Ausbildungsbereich haben wir viel getan, damit die Schulen ordentlich arbeiten können. Und natürlich waren mir die Diakonissen in Lazarus immer besonders liebe Menschen.

Sie haben in Ihrer Tätigkeit viele Kilometer abgerissen. Was war Ihnen lieber: Die Verspätungen der Bahn oder die Baustellen auf der A2? 

POHL: Vergessen Sie nicht die Baustellen in Bielefeld! Allein aus Bethel herauszukommen, war schon eine Herausforderung (lacht).

Pastor Pohl hebt den Zeigefinger

Ging es Ihnen um die Präsenz vor Ort?

POHL: Ja, unbedingt. Es reicht nicht, im Büro zu sitzen. Es geht darum, zu Festen zu gehen, Gottesdienste zu halten, an der Basis zu sein und Kontakt mit den Menschen zu haben, um die es geht. In Bad Kösen zum Beispiel fühle ich mich wie zu Hause; da ist ein Altenheim mit Hospiz, und die Leute freuen sich, wenn man kommt. In Berlin ist es ähnlich. 

Wo haben Sie persönlich Kraft geschöpft?

POHL: Zunächst einmal aus meinem Glauben. Aus der Bibel, aus den Andachten, die wir hier gehalten haben und die ich halten durfte. 

Dann aus der Teamarbeit in Bethel. Diese Mannschaftsleistung war außergewöhnlich stark ausgeprägt. Meine Kraftquelle war, jederzeit ins Nachbarbüro gehen zu können, mir Rat zu holen und gemeinsam zu überlegen, wie wir es besser machen. Und nicht zuletzt war es natürlich meine Familie, die mir Kraft gegeben hat. Die hat allerdings auch unter diesem Amt gelitten. Und ich bin froh, dass wir zu unseren beiden Kindern ein sehr gutes Verhältnis haben. Das ist vor allem meiner Frau zu verdanken, die vieles ausgeglichen hat, wenn ich nicht da war.

Wie erleben Sie jetzt die letzten Tage im Amt, wie nah geht Ihnen der Abschied?

POHL: Ich freue mich darauf. Ich habe das Gefühl, dass ich in einem guten Moment gehe. Dinge, die jetzt für Bethel nötig wären, könnte ich mit meiner Kraft nicht mehr so vorantreiben. Ich gehe hier sehr zufrieden und ohne Wunden aus dem Amt. Wir haben eigentlich alles, was wir erreichen wollten, abgeschlossen. Uns als ausscheidender Vorstand war es wichtig, alles „gut bestellt“ zu übergeben. Ich kann auf Bethel zurückblicken und sagen: Das war ein wichtiger Teil meines Lebens.

Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach dem Ausscheiden?

POHL: Wir haben noch einige Reisen vor. Wir freuen uns sehr auf unser drittes Enkelkind. Wir kümmern uns außerdem um zwei ältere Angehörige, eine Tante und meinen Vater bzw. Schwiegervater. Das begrenzt unsere Reisemöglichkeiten. 

Was ist ihr Traumziel?

POHL: Israel würde mich reizen, aber wegen des Gaza-Kriegs traue ich mich im Moment nicht. Meine Frau möchte gerne wieder nach Norwegen, da waren wir schon zweimal. Die gemeinsame Reisezeit ist mir wichtig. Ich war in Japan, Amerika, Tansania – das waren Höhepunkte meiner Dienstzeit, für die ich dankbar bin. In Tansania zum Beispiel zu sehen, unter welchen Bedingungen Menschen leben und arbeiten, führt zu großer Demut, wenn man nach Hause kommt. Gleiches gilt für Teile Polens, wo meine Familie Wurzeln in Ostpreußen hat.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Bethel, an dem man Sie auch künftig noch treffen wird?

POHL: Man wird mich hier nur noch sehr selten sehen. Es gibt viele Orte, die ich schön finde, wie die Zionskirche und das Haus der Stille, an denen ich gerne bin. Aber ich werde bewusst auf Abstand achten. Ich möchte mich nicht einmischen und meinem Nachfolger das Leben nicht schwermachen. Ich komme gelegentlich noch ins Büro, wenn ich langjährige Spender betreue, aber sonst werde ich mich rarmachen. Das halte ich für richtig.

Wenn Sie 18 Jahre zusammenfassen und in einem Satz sagen müssten, was Bethel ausmacht – wie würde der lauten?

POHL: Bethel ist das gelebte Haus Gottes.