Pressemitteilung | Nordrhein-Westfalen

Als kein Blut zu bekommen war

Für einen Bielefelder wurde es kritisch

Bielefeld-Bethel. Harry Wagner benötigt alle vier bis sechs Wochen eine Bluttransfusion. Als im Juni bundesweit Ebbe herrscht bei den Blutprodukten, wird es für ihn lebensgefährlich. Der 74-Jährige unterstützt jetzt den Blutspendedienst des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB).

Seit 21 Jahren lebt Harry Wagner mit seiner Krebserkrankung. Seitdem sitzen Metastasen in seinen Knochen, auch an den Stellen, die für die Produktion von roten Blutkörperchen zuständig sind. „Wenn mein Hämoglobin-Wert unter 8 sinkt, bekomme ich Atemnot“, erzählt der ehemalige selbständige Unternehmer. Hämoglobin ist dafür zuständig, im Blut den Sauerstoff durch den menschlichen Körper zu transportieren. Dann bekommt Harry Wagner eine Bluttransfusion. „Darüber freuen sich mein Herz und meine Lunge und es geht mir sehr schnell besser.“

Mitte Juni kommt es anders. Harry Wagner soll wie gewohnt in einer ambulanten Bielefelder Einrichtung eine Bluttransfusion erhalten, doch die kann nicht stattfinden. „Es war kein Blut da“, erinnert er sich. „Ich habe meine Onkologin gefragt, was passieren wird, wenn nicht bald mehr Menschen Blut spenden. Ihre besorgte Antwort war: Es kann sein, dass dann Menschen sterben müssen.“ Dazu kommt es zum Glück nicht. Harry Wagner muss sich für drei Tage stationär in einem Bielefelder Krankenhaus aufnehmen lassen. Hier bekommt er eine der knappen Transfusionen. „Andernfalls hätte sich wohl ein längerer Krankenhausaufenthalt angeschlossen.“

Dr. Klaus Leimkühler leitet den Blutspendedienst im EvKB am Haus Gilead I und erinnert sich genau: „Im Juni war es eine Situation, wie ich sie in 32 Dienstjahren nicht erlebt habe. In ganz Deutschland war der Markt verebbt. Auch wir konnten für unser Krankenhaus kein Blut zukaufen und waren dringend auf neue Spenden angewiesen.“ Auf allen Kanälen rief die Betheler Einrichtung zur Blutspende auf. „Dadurch hat sich die Lage etwas beruhigt. Aber: Noch immer sind wir nicht auf normalem Niveau und auf mehr Spender angewiesen.“

Dabei will Harry Wagner helfen. Er hat den Blutspendedienst mit einer Werbeanzeige unterstützt, verteilt Infomaterial in seinem Freundeskreis, in seiner Gemeinde und seinem Chor. Erst vor acht Jahren ist der gebürtige Ludwigsburger von Süddeutschland nach Bielefeld gezogen – der Liebe wegen. Gerne würde er seiner Frau solche Sorgen wie im Juni ersparen, und natürlich auch sich selbst und anderen, die wie er auf Blutspenden angewiesen sind. Und – so viel ist klar – in diese Lage kann jeder kommen.

 Infos zum Blutspenden:

  • Vor der ersten Spende entscheiden ein ausführliches Gespräch u.a. über Vorerkrankungen und eine ärztliche Untersuchung, ob das Blutspenden tatsächlich möglich ist.
  • Der Zeitaufwand beträgt in der Regel etwa eine Stunde.
  • Nach einer Corona-Schutzimpfung kann bereits nach einem Tag gespendet werden, wenn keine Impfreaktionen aufgetreten sind. Auch an COVID-19 erkrankte Menschen können nach einer kurzen Sperre Blut spenden, wenn sie keine Symptome mehr vorweisen, gesund sind und sich fit fühlen.
  • Häufiger vorkommende Blutgruppen werden ebenso benötigt wie seltene.
  • Eine Terminvereinbarung ist nicht notwendig.
  • Eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro wird gezahlt.

Internet: blutspende-bethel.de

Bildtext:

  • Harry Wagner (Mitte) ist auf Blutspenden angewiesen, wie sie im Evangelischen Klinikum Bethel entnommen werden. Dr. Klaus Leimkühler freut sich über die Unterstützung.

Foto: Manuel Bünemann