Bethel - 30 Jahre Theater Götterspeise

Pressemitteilung

30 Jahre Theater Götterspeise

Schauspielerinnen und Schauspieler bei der Premiere auf der Bühne.

Märchenhafte Premieren-Szene im Thekoasaal: Dem malochenden und darbenden Volk ist der arrogante Kaiser zuwider.

„Ihr habt Glück! Ihr habt mich!“

Bielefeld-Eckardtsheim/Bethel. Der frisch gekrönte Kaiser erklimmt die Leiter bis zur obersten Sprosse. Hier oben fühlt er sich wohl und angemessen gewürdigt. Denn das Volk blickt zu ihm hinauf – und er zu ihm hinab. „Ihr habt Glück! Denn ihr habt mich! Ich denke für euch! Ich entscheide für euch!“, verkündet der Hüne im pikfeinen Anzug mit roter Krawatte feierlich.

Der Kaiser, gespielt von Christoph Philipp Krüger, ist hochmütig und arrogant. Seine Gegenspieler auf dem Weg zur uneingeschränkten Macht hat er ausmanövriert und „wohlwollend“ zum Finanzminister befördert oder zum Straßenfeger degradiert. Optische oder charakterliche Ähnlichkeiten der Protagonisten mit gegenwärtigen Machthabern, wie dem US-Präsidenten oder Tesla-Chef Elon Musk, sind im neuen Stück „Macht – hautnah“ des Theaters Götterspeise gewollt. Aber sie drängen sich auch zwangsläufig über das Thema auf.

In der Jubiläums-Produktion des Theaters, das in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert, widmet sich das inklusive Ensemble einem bekannten Märchen von Hans Christian Andersen – und erzählt es auf ganz eigene Weise neu. „Macht – hautnah“ frei nach „Des Kaisers neue Kleider“ ist ein Stück über Schein und Sein, Macht und Angst. Und das Ensemble spielte die Geschichte jetzt bei der Premiere im Thekoasaal in Bielefeld-Eckardtsheim mit viel Humor und Musik.

In einer Zeit, in der die äußere Erscheinung und Selbstdarstellung eine immer wichtigere Rolle in der Gesellschaft spielen, greift das Theater Götterspeise dieses Thema auf. Die Inszenierung ist somit hochaktuell. Sie berührt – und sie regt zum Nachdenken an.

Schauspieler Christoph Philipp Krüger begeistert die neue Produktion – und seine Rolle als Kaiser. „Es macht einfach Spaß, in andere Rollen zu schlüpfen. Bei Götterspeise kann ich sehr kreativ sein“, erzählt der 43-jährge Bethel-Klient. Außerdem habe er Freude daran, für andere Menschen unterhaltsam zu sein. Wobei das auch eine große Herausforderung bedeute, wie er betont. „Ich muss gut drauf sein. Aber mittlerweile bin ich auch schon sehr erfahren“, sagt er.

 

Ein Schauspieler mit Krone steht auf einer Leiter.
Der Kaiser (gespielt von Christoph Philipp Krüger) auf dem Höhepunkt seiner Macht. Fotos: Sarah Jonek

Seit immerhin schon zehn Jahren gehört Christoph Philipp Krüger zum Ensemble. Die Geschichte von Götterspeise selbst begann bereits 1996. Damals initiierte der Verein „Forum für Kreativität und Kommunikation“ in Kooperation mit dem Freizeitzentrum „Sport und Kultur Eckardtsheim“ das Ensemble. Der Gründung waren zahlreiche Theaterprojekte in Form von Projektwochen mit großer Resonanz vorausgegangen. Das Tournee-Theater gehört zu den Pionieren inklusiver Theaterarbeit. Gefördert wird es von Bethel.regional, Bethel proWerk, dem Begegnungs- und Freizeitzentrum Eckardtsheim, dem Kulturamt Bielefeld und von der Bielefelder Bürgerstiftung.

Mit „Macht – hautnah“ hat das Ensemble die mittlerweile 16. Großproduktion auf die Bühne gebracht. Die Regie führen Diemut Döninghaus, Martin Neumann und Stephanie Schmidt. Martin Neumann ist stolz auf die Leistung der Darstellerinnen und Darsteller. „Es ist spannend, die Kreativität aus ihnen herauszukitzeln“, sagt er.  Martin Neumann ist überzeugt, dass jeder etwas einbringen kann. „Die Gruppe bereichert sich auch untereinander“, weiß er aus Erfahrung.

Es ist Kern des Konzeptes von Götterspeise, das gesamte Ensemble an der Entwicklung der Stücke zu beteiligen. Improvisationen, persönliche Geschichten und eigene Texte aller Beteiligten fließen ein. „Dadurch entstehen Sachen, die wir uns vorher nicht ausdenken könnten. Das ist auch eine große Qualität von uns“, so Martin Neumann. 

Auch Diemut Döninghaus reizt an ihrer Arbeit vor allem, die Fähigkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ermitteln – um dann die jeweils richtige Rolle zu finden. Und dann sei da auch noch diese ganz besondere Atmosphäre innerhalb des Ensembles, wie die Theaterpädagogin betont: „Wir vertrauen uns hier sehr. Und das ist elementar für unsere Kreativität und den Erfolg. Uns vereint die Lust am Spielen und die große Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.“

Das 30-jährige Jubiläum wird mit der erneuten Aufführung von „Macht – hautnah“ und einer anschließenden Party gefeiert am 1. Oktober, 19 Uhr, im TOR 6 Theaterhaus Bielefeld. Kartenreservierung per E-Mail unter forum-bielefeld(at)t-online.de und Telefon 0521 176980

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