Bethel - Historischer Torbogen aufwändig aufbereitet
Pressemitteilung
Historischer Torbogen aufwändig aufbereitet

Bethel hält Erinnerungen an Quellenhof wach
Bielefeld-Bethel. Der Koloss nähert sich aus luftiger Höhe. 450 Kilogramm schwer und 3,80 Meter hoch ist der Engeltorbogen, der per Kran in zwei vorbereitete Erdlöcher gehoben wird. Damit steht das historische Gebälk jetzt nur ein paar Schritte entfernt von der Stelle, an der es sich schon früher befand. Der Torbogen war Teil des ab 1842 erbauten und 2021 abgerissenen Quellenhofes in Bielefeld-Bethel. Inzwischen steht dort das 2025 eröffnete moderne Hospiz Haus Zuversicht. Damit die Geschichte dieses Ortes nicht in Vergessenheit gerät, haben die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel den aufbereiteten Engeltorbogen vor Haus Zuversicht aufstellen und daneben eine Tafel mit Informationen zur Entstehung und zur Geschichte des Hofes errichten lassen.
Der Hof diente in den 1980er und 1990er Jahren als Einrichtung der Betheler Wohnungslosenhilfe. Anschließend wurde er als Lager genutzt. Zuletzt stand er leer. Um Platz für den Neubau von Haus Zuversicht zu schaffen, musste das Gebäude weichen. Eine Machbarkeitsstudie hatte verdeutlicht, dass der alte Hof für das Hospiz nicht genutzt werden konnte. Der Bau hätte in das Landschaftsschutzgebiet ausgeweitet werden müssen. Gutachter hatten zudem Mängel der Bausubstanz festgestellt und diese auf fortwährende Veränderungen am Bauwerk zurückgeführt. Das vorhandene Fachwerk war zum Teil aufgemalt. Deshalb war das Gebäude nicht denkmalwürdig. Bethel bewahrte aber den Engeltorbogen des Gebäudes auf, um die Erinnerung an den Quellenhof wachzuhalten.

Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Dr. Bartolt Haase erinnerte bei der Aufstellung des Torbogens an die Wasserquellen, die auf dem Grundstück entsprangen und dem Hof seinen Namen gaben. 1904 hatte Anstaltsleiter Friedrich von Bodelschwingh den Hof wegen der ergiebigen Quellen auf dessen Gelände gekauft. Das Quellwasser wurde über neu verlegte Leitungen in Richtung Ortschaft geleitet, um die Anstaltshäuser zu versorgen. Rund 300.000 Liter flossen dort täglich. Das Gelände sei insofern schon früher ein besonderer Ort gewesen und sei es auch heute noch, weil sich dort nun Bethels Haus Zuversicht befindet, in dem Menschen gut begleitet das letzte Stück ihres Lebensweges gehen können. „Die Aufstellung des Torbogens ist ein schöner, sichtbarer Brückenschlag zur Geschichte des Ortes“, sagte Pastor Haase.
Geplant und koordiniert wurde die Aufstellung des fast 200 Jahre alten Torbogens aus Eichenholz durch die Tischlerei Strothmann aus Bielefeld-Ummeln. Ertüchtigt wurde er in der Zimmerei Tragwerk Holzbau e.K. in Bielefeld-Hillegossen. Eine Woche lang arbeiteten zwei Zimmerer an dem Torbogen, der aus zwei Stielen und einem Querbalken besteht.
Am unteren Ende beider Stiele brachten die Fachleute in Zusammenarbeit mit einem Statiker stahlverzinkte Stützenfüße an. So wird vermieden, dass das Holz mit der Erde in Berührung kommt, denn Feuchtigkeit würde es schädigen. Um Nässe von oben vorzubeugen, wird der Torbogen nun durch ein Kupferdach geschützt. Der Niederschlag, mit dem das witterungsbeständige Holz dennoch in Berührung kommen wird, sei unbedenklich, sagte Manuel Hüls, Geschäftsführer von Tragwerk Holzbau e.K.: „Das Wasser trocknet an der Luft schnell ab.“
An den beiden Stielen schlossen die Zimmermänner mit neuem Eichenholz passgenau vorhandene Lücken für Riegelanschlüsse. In die offenen Zapfenlöcher, in denen beim Fachwerkbau horizontal verlaufende Riegel mit vertikal stehenden Stielen fixiert werden, setzten sie neue Holznägel.
Die Oberflächen pflegten sie mit einer Stahlbürste, um eine Lasur abzulösen und die farbigen Schnitzereien stärker zur Geltung zu bringen. Die Verzierungen der Stiele zeigen Blätter, Vögel und Trauben, auf dem Querbalken ist die Inschrift zur Errichtung der ältesten Teile des Quellenhofes im Jahr 1842 zu lesen. Auf den sogenannten Kopfbändern oben links und rechts sind Posaune spielende Engel zu erkennen. „Der Torbogen ist in einem guten Zustand und jetzt wieder richtig kernig“, sagte Manuel Hüls.
Bildzeilen:
- Bethel_Aufstellung_Torbogen_Quellenhof_26-043.jpg: Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Dr. Bartolt Haase (v.l.), Linda Bulthaup aus der Direktion der Bethel-Stiftungen Sarepta und Nazareth, und Manuel Hüls, Geschäftsführer von Tragwerk Holzbau e.K., vor dem aufgestellten Torbogen am Quellenhofweg.
- Bethel_hist_Torbogen_Zimmerei_26-087.jpg: Zimmermann Sven Krökel arbeitet den historischen Engeltorbogen aus Bethel mit Klopfholz und Stemmeisen auf.
Fotos: Christian Weische / v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
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