Pressemitteilung | Nordrhein-Westfalen

Hoffnung für Erdnussallergiker

Bielefeld-Bethel. Ein Eisbecher in einer Eisdiele, der Kuchen auf einem Kindergeburtstag oder der Biss in einen Schokoriegel – für Max Stürz bergen all diese Dinge Gefahren. Der Zehnjährige hat eine schwere Erdnussallergie. Mitte Januar begann er die Behandlung mit dem neuen Medikament Palforzia®.

„Ich mache das, damit ich kleinste Spuren Erdnuss vertragen kann“, sagt Max. Denn häufig sind die problematischen Allergene versteckt in Nahrungsmitteln enthalten, in denen man sie nicht erwartet. Max reagiert selbst auf winzige Mengen: Atemnot, Ausschlag, Magenkrämpfe, Bewusstlosigkeit. Im Laufe seines Lebens musste er darum immer wieder in die Notaufnahme - sogar mit dem Rettungshubschrauber. Für ihn und seine Familie ist das eine belastende Situation.

„Die Erdnussallergie ist die schwerste Nahrungsmittelallergie im Kinder- und Jugendalter. Sie löst starke anaphylaktische Schocks aus“, sagt Univ.-Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB). Bisher gab es außer der Vermeidung der Allergene und dem Notfallset mit Adrenalin-Pen, Kortison und Antiallergikum keine Möglichkeit der Behandlung.

Das Mittel Palforzia® zur oralen Immuntherapie ist seit dem 1. November 2021 in Deutschland für Kinder von 4 bis 17 Jahren zugelassen. Entwickelt wurde es in sieben Jahren von dem amerikanischen Biotech-Unternehmen AImmune. Das Pulver enthält standardisierte Mengen der allergieauslösenden Erdnussproteine. „Studien haben gezeigt, dass mit der Immuntherapie die verträgliche Menge an Erdnuss deutlich erhöht werden kann. Man ist dann geschützt vor der versehentlichen Einnahme kleiner Mengen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Hamelmann.

Die Behandlung begann für Max in der Tagesklinik für pädiatrische Pneumologie, Gastroenterologie und Allergologie am EvKB mit fünf Dosen des Medikaments, die er verteilt über vier Stunden bekam. Immer unter den wachsamen Augen von Kinderkrankenschwester und Anaphylaxietrainerin Katharina Hagemeister und Allergologin Dr. Eva Dippel. Nach einer Nacht zur Beobachtung in der Klinik und einer weiteren Dosis am nächsten Morgen unter ärztlicher Aufsicht setzt Max nun seine Therapie zu Hause fort. 

Aufgelöst in Joghurt, Brei oder Fruchtmus muss er das Mittel täglich am Abend einnehmen. Alle 14 Tage wird die Dosis unter Aufsicht seines Kinderarztes gesteigert, bis einmal 300 mg Erdnussprotein erreicht sind. „Das entspricht einer Erdnuss“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Hamelmann: „Diese höchste Dosis muss Max dann für bis zu drei Jahre täglich einnehmen. Damit gewöhnt man den Körper an die Erdnussproteine. Er betrachtet sie dann nicht mehr als Feind.“

Während der Therapie und auch darüber hinaus muss Max weiterhin Erdnüsse meiden, und das Notfallset mit dem lebensrettenden Adrenalin-Pen bleibt vorsorglich sein ständiger Begleiter. Seine Eltern sehen in der neuen Therapie trotzdem eine Chance. Meike Stürz: „Wir wollen, dass Max einmal mehr Lebensqualität hat.“

Bildtext

  • Max Stürz (vorne rechts) begann Mitte Januar die neuartige Immuntherapie gegen Erdnussallergie am EvKB. Begleitet wurde er von Univ.-Prof. Eckard Hamelmann, Direktor der Universitätsklinik für Kinder und Jugendmedizin am EvKB, seiner Mutter Meike Stürz und Kinderkrankenschwester Katharina Hagemeister (v. l.). 
    Foto: Mario Haase

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