
Alles gelogen – oder was?
Bielefeld-Bethel. „Das Problem ist: Ein bisschen Fake gibt es überall.“ So beginnt das Bühnenstück „Fake – Blick hinter die Fassade“. Die Uraufführung des Jugendvolxtheaters der Theaterwerkstatt Bethel kommt als Show daher. Acht Darstellende gehen der Lüge auf die Spur: Manchmal kommt sie als Tarnung daher, als Schutz oder Witz. Doch immer steht etwas allzu Menschliches dahinter. Es geht um Alltagsnotlügen und Beauty Routine vor dem Spiegel, um Redewendungen und die schillernde Social-Media-Welt.
Die Spielenden im Alter zwischen 8 und 27 Jahren treten als Kandidatinnen und Kandidaten auf. Dass sie von der Moderation mit ihren Klarnamen vorgestellt werden, vermittelt eine trügerische Sicherheit, denn schon bald wechseln sie zwischen einer Vielzahl von Rollen, spielen mit ihren glitzernden Kostümen ausdrucksstark mit diversen gesellschaftlichen Selbstdarstellungen und Zuschreibungen. Die Zugehörigkeiten der Figuren variieren in Status, Lebensstil, Alter und Geschlechtern. In rasantem Tempo geht es um Lug und Trug in allen Lebensbereichen. Andere Geschichten erzählen von Verschwörungen, Manipulation und Undercover-Strategien. Kunstvolle Stop-Motion-Comic-Videos gliedern die Inszenierung und ziehen gleichsam in den Bann.
Das Meiste bleibt vergnüglich unbestimmt, doch wird das Stück in seinem Verlauf tiefgründiger, etwa, wenn sich das Ensemble fragt, was eigentlich passiert, wenn nicht nur die Person im Spiegel, sondern auch die Person vor dem Spiegel Fake ist. Wann lügen wir, um die Welt besser zu machen? Wie gehen wir damit um, dass wir alle durch Fake News permanent mit Lügen konfrontiert sind?
Auch das Publikum ist gefragt: „Wie oft habt Ihr heute schon gelogen – aus Verlegenheit, Kalkül, Not oder Unwissenheit?“ Die Antworten bleiben vage. Immerhin lügen wir „nach einer Studie“ im Durchschnitt 107-mal pro Tag“, heißt es. Aber stimmt das wirklich?
So führen die bestens aufgelegten Schauspielenden das Publikum immer wieder hinters Licht. Es wird behauptet, was das Zeug hält. Eine ihrer Erklärungen: „Etwas von uns gilt als wahr, solange Sie daran glauben.“ Das geht besonders nahe, wenn es persönlich wird: Wenn Freundschaften oder Beziehungen in der Familie auf die Probe gestellt werden oder beim Älterwerden die Masken früherer Lebensphasen fallen.
Das Ensemble entlässt das begeisterte Publikum mit einem eindringlichen Appell: „Schaut mindestens zweimal hin und hinterfragt, was Euch vorgespielt wird, bevor Ihr es für die Wahrheit haltet.“
Nach den ersten Vorstellungen in Bethel geht das Ensemble mit seinem Stück auf Tour, unter anderem zum OWL-Jugendclubtreffen im Theater Bielefeld am letzten Juni-Wochenende und zum Droste-Festival nach Münster am 5. Juli. Die Wiederaufnahme im eigenen Haus ist in Planung.
- Bildzeile: In „Fake – Blick hinter die Fassade“ geht es in rasantem Tempo um Lug und Trug in allen Lebensbereichen.
- Foto: Matthias Gräßlin / v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel
