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Forschungsprojekt: Arzneimittelprüfungen an Minderjährigen

Epilepsie-Klinik Mara in Bethel (1950er Jahre)
Die Epilepsie-Klinik Mara in Bethel war in den 1950er-Jahren Diagnose- und Therapieort für viele schwer epilepsiekranke Menschen. 1962 entstand ein moderner Neubau.

Nach rund zweieinhalbjähriger intensiver Forschungsarbeit hat jetzt das Projekt zu Arzneimittelprüfungen in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel seinen Abschluss gefunden. Dabei ging es um die Frage, inwieweit und unter welchen Umständen zwischen 1949 und 1975 in Deutschland noch nicht zugelassene Medikamente (neu entwickelte BRD-Medikamente und importierte non-BRD-Medikamente) bei Kindern und Jugendlichen in Bethel angewendet worden sind. Anstoß für das Ende 2017 begonnene unabhängige Forschungsvorhaben war die Studie von Sylvia Wagner zu Arzneimittelprüfungen an Minderjährigen in Heimen in Deutschland nach 1945. Unter anderen wurde in diesem Zusammenhang auch Bethel erwähnt.

Prof. Dr. Traugott Jähnichen
Prof. Dr. Traugott Jähnichen von der Ruhr-Universität Bochum hat den Beirat für das Forschungsprojekt geleitet.

Die Medizinhistorikerin und Psychiaterin Prof. Dr. Maike Rotzoll/Heidelberg, der Kinderneurologe Prof. Dr. Dietz Rating/Heidelberg und der Historiker Dr. Niklas Lenhard-Schramm/Münster haben die Studie erarbeitet. Das Forschungsprojekt wurde von einem Beirat unter Vorsitz des Theologen Prof. Dr. Traugott Jähnichen von der Ruhr-Universität Bochum begleitet.

Im Ergebnis zeigt sich, dass bei den länger als sechs Monate in Bethel stationär behandelten Kindern und Jugendlichen in knapp einem Viertel der Fälle (23,8 %) noch nicht in Deutschland zugelassene Medikamente, sogenannte Prüfpräparate und Import-Medikamente, zum Einsatz kamen. In zwei Drittel der Fälle ging es um Antiepileptika, bei einem Drittel um Psychopharmaka.

Mitarbeiterin vom Hauptarchiv Bethel mit Akten
Jenny Peters vom Hauptarchiv Bethel mit einem kleinen Teil der ausgewerteten Patientenakten.

Für die Arzneimittelerprobungen wurden in den Krankenakten keine schriftlichen Genehmigungen der Eltern oder eines Vormunds gefunden. In Einzelfällen gab es Hinweise auf eine indirekte oder mündliche Zustimmung durch Erziehungsberechtigte. „Die Einwilligung in und die Aufklärung über Arzneimittelerprobungen waren auch zeitgenössisch rechtlich und ethisch geboten, allerdings kein Standard der klinischen Praxis. Bethel unterschied sich hier nicht von anderen Einrichtungen, in denen Arzneimittel erprobt wurden“, erklärt Dr. Niklas Lenhard-Schramm zur damaligen Behandlungspraxis in Bethel.

Heute wird dies Versäumnis der Vergangenheit vom Bethel-Vorstand ausdrücklich wahrgenommen und zutiefst bedauert. Durch die jetzt vorgelegte Studie wird positiv deutlich, dass kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen einer möglichen Schädigung von Bewohnern und der Arzneimittelerprobung gefunden werden konnte.

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