Gereon Klein hält Marie-Luise Gerhold im Arm und lächelt sie liebevoll an.

Menschennah | Geschichten aus Bethel

Er führt sie, und sie führt ihn: Gemeinsam geht’s

Gereon Klein hat schon ein paar Minuten über seine fast 20 Jahre währende Partnerschaft mit Marie-Luise Gerhold gesprochen, als ihm die Angelegenheit zu harmonisch zu werden droht. „Nee, nee, Moment“, ruft er durch das Wohnzimmer der gemeinsamen Wohnung, „wir beide haben manchmal auch ordentlich Stress miteinander.“ Bloß nicht alles nur romantisch darstellen, bitte nichts verklären und verkitschen. Streit gibt es ja außerdem fast überall mal.

Das soll ja auch nicht unterschlagen werden. Gereon Klein ist beispielsweise manchmal genervt, wenn er sich mehrfach wiederholen muss, weil seine Partnerin nicht mehr gut hört. Dann entstehen gelegentlich Missverständnisse, und die erzeugen weitere Konflikte. Ungewöhnlich ist das aber nicht, Zwistigkeiten gehören schließlich in den meisten Ehen und Partnerschaften zum Alltag. Viel interessanter ist doch, wie sich Gereon Klein und Marie-Luise Gerhold trotz ihrer Differenzen und vor allem trotz der Beeinträchtigungen, mit denen sie leben, gegenseitig unterstützen.

Deutlich wird das beispielsweise an ihren Antworten auf die Frage, wer von ihnen wen führt, wenn sie ihre Wohnung in Bielefeld-Gadderbaum verlassen. „Du führst mich“, sagt sie. Logisch: Marie-Luise Gerhold ist nahezu blind. „Ja, aber manchmal führst du auch mich“, entgegnet er. Klar: Gereon Klein hat Epilepsie, außerdem kann er seinen linken Arm nur sehr eingeschränkt benutzen. Er führt also sie, aber gleichzeitig führt sie auch ihn. Gemeinsam geht’s.

Gereon Klein umarmt Marie-Luise Gerhold. Beide lächeln fröhlich.
»Er ist ruhig, locker und fröhlich, und ich habe gleich von Anfang an gedacht: Das ist ein sympathischer Typ.«
Marie-Luise Gerhold

Kennen gelernt haben sich die beiden im Haus Emmaus in Bethel. Dorthin kam Marie-Luise Gerhold früher regelmäßig zum Schwimmen und zur Gymnastik. Den Schlüssel für das Bad und den Gymnastikraum erhielt sie an der Pforte. Und dort saß Gereon Klein. Meistens jedenfalls. „Ich habe mich immer gefreut, wenn er da war“, sagt sie, „er ist ruhig, locker und fröhlich, und ich habe gleich von Anfang an gedacht: Das ist ein sympathischer Typ.“ Eine Einschätzung, die auf Gegenseitigkeit beruht. Nur würde Gereon Klein das so nie sagen. Bloß nicht zu viel Romantik, schon klar. „Jaja“, sagt er also, „ich konnte mir das mit ihr auch gut vorstellen.“

So lud er sie zu seinem Geburtstag ein, und kurz darauf kam Marie-Luise Gerhold für ein Praktikum ins Haus Emmaus. Auch danach blieb der Kontakt bestehen, er besuchte sie regelmäßig. 2002 wurden sie ein Paar, 2014 zogen sie in die gemeinsame Wohnung. Sich dort nah zu sein hat für das Paar auch praktische und sogar für das Überleben notwendige Vorteile. Wenn er einen epileptischen Anfall hat, verabreicht sie ihm das nötige Medikament. Sie selbst ist dankbar, ihn an ihrer Seite zu haben, weil er ihr Orientierung gibt, wenn sie etwas aufgrund ihrer geringen Sehkraft nicht bewältigen kann.

„Wir sind wirklich füreinander da“, sagt Marie-Luise Gerhold. Und Gereon Klein nickt.

Text: Philipp Kreutzer | Foto: Thomas Richter

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Gereon Klein (60) hat Epilepsie, und Marie-Luise Gerhold (64) ist fast blind. Kennen gelernt haben sie sich im Haus Emmaus in Bethel. Sie sind seit fast 20 Jahren ein Paar und leben in einer gemeinsamen Wohnung. Die beiden unterstützen sich gegenseitig und sind füreinander da. So kommen sie gut zurecht.

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