Anton im Krankenhausbett

Menschennah | Geschichten aus Bethel

Wärme und Liebe ergänzen die Therapie

„Psst! Wir müssen wachsen“, steht an der Tür der Frühchen-Intensivstation in Bethel. Auf dem Krankenhausflur hört man nur das Rauschen der Klimaanlage, gedämpfte Stimmen und ab und an ein leises „Bing“ von den medizinischen Geräten. Auch Anton muss wachsen. Er liegt in seinem Wärmebettchen bei molligen 34 Grad, umhüllt von einer blauen Decke, die seine Oma für ihn gestrickt hat. Anton rekelt sich und gähnt. Er streckt seine dünnen Ärmchen nach oben und ballt seine winzigen Finger. So klein und zerbrechlich sieht er aus, dabei hat er in den vergangenen Monaten sein Gewicht bereits mehr als verdoppeln können. Denn Anton kam mit nur 650 Gramm in der 24. Schwangerschaftswoche viel zu früh auf die Welt.

Mutter mit Anton im Arm
Hand der Mutter hält Antons Hand.

Anton ist auf einem guten Weg

Seither sind seine Eltern jeden Tag bei ihrem Kind im Krankenhaus. Sie wechseln sich ab, denn Anton hat noch eine kleine Schwester, die erst zwei Jahre alt ist. So oft wie möglich wird Anton behutsam aus dem Brutkasten genommen und auf die Brust von seiner Mutter oder seinem Vater gelegt. Die Wärme und den Herzschlag der Eltern zu spüren und ihre Stimme zu hören ist sehr wichtig für die Entwicklung von Frühgeborenen. „Zehn Tage nach der Geburt ging das zum ersten Mal. Ich hatte Angst davor, weil er so winzig war und alles voller Kabel. Aber als ich ihn dann spürte, habe ich mich so gefreut", erzählt Theresa Kuhlen. Ihre Stimme ist sanft und voller Liebe für ihr Baby. Die Zeit, die hinter ihr und ihrem Mann liegt, war zermürbend. So oft mussten die beiden um Anton bangen. „So frühe Kinder sind wirklich an der Grenze der Lebensfähigkeit“, sagt Dr. Stefan Heinzel, der Leiter der Neonatologie im Kinderzentrum Bethel. „Anton hatte mehrere sehr schwierige Phasen. Aber auch in kritischen Situationen hilft es, positiv zu denken. Und jetzt ist er auf einem sehr guten Weg“, sagt der erfahrene Kinderarzt.

Die Eltern mit ihrem Sohn auf dem Arm.
»Mein Mann und ich haben immer an ihn geglaubt«
Theresa Kuhlen | Mutter von Anton

80 bis 90 kleine Patienten mit einem Gewicht unter 1500 Gramm werden jedes Jahr auf der Station K2 behandelt. Und je kritischer die Situation ist, desto wichtiger ist es, gemeinsam mit den Eltern einen Weg zu finden. Antons Eltern haben nie die Hoffnung aufgegeben. „Mein Mann und ich haben immer an ihn geglaubt“, sagt Theresa Kuhlen. „Und Dr. Heinzel hat uns Mut gemacht.“ Anton ist ein kleiner Kämpfer. „Seine Ernährung über eine Sonde hatte mit einem Milliliter alle zwei Stunden begonnen, jetzt ist er bei 40 Millilitern, und er hat schon ein kräftiges Stimmchen“, sagt Theresa Kuhlen stolz. Alle in der Familie können es kaum erwarten, dass Anton nachhause darf. Doch „Psst!“ – erst einmal muss er noch schlafen und wachsen. Er wäre ja eigentlich noch gar nicht auf der Welt.

Text: Heike Lepkojis | Fotos: Christian Weische

Diese Geschichte einfach gesprochen

Anton ist viel zu früh auf die Welt gekommen. Die meisten Babys wiegen um die 3500 Gramm bei der Geburt. Anton wog nur 650 Gramm. Er musste lang im Kinderzentrum Bethel behandelt werden. Seine Eltern waren ganz oft bei ihm. Sie sind sehr glücklich und erleichtert. Denn Anton geht es inzwischen gut. Und er hat prima zugenommen.

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Das Kinderzentrum im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) umfasst das gesamte Spektrum für junge Patientinnen und Patienten im Alter von 0 bis 18 Jahren. Ob Erkrankung oder Verletzung, ob akut oder chronisch, ob körperlich (somatisch) oder psychiatrisch – für sämtliche medizinischen Erfordernisse bietet das EvKB mit den ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten das individuell passende Behandlungskonzept. 

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