Bethel - 30 Jahre Epilepsie-Chirurgie am EZBB

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30 Jahre Epilepsie-Chirurgie am EZBB

Gruppenbild im Festsaal des KEH
Dr. Simon Stark und Professor Dr. Martin Holtkamp halten das Bethel-Buch hoch.
Bethel-Vorstand Dr. Simon Stark (r.) überreichte Professor Dr. Martin Holtkamp, Medizinischer Direktor des EZBB, ein Buch über die Medizingeschichte in Bethel.

Erfolgreiche Epilepsiechirurgie ist Teamarbeit

Die Idee, eine schwer behandelbare Epilepsie mit einer Operation am Gehirn zu heilen oder zumindest zu lindern, ist mehrere Jahrhunderte alt. Mit modernen Ansätzen der resektiven Epilepsiechirurgie – bei der operativ der kleine Bereich im Gehirn entfernt wird, der die Anfälle auslöst – werden heute knapp zwei Drittel aller Patientinnen und Patienten anfallsfrei, bei denen zuvor eine medikamentöse Therapie nicht den gewünschten Erfolg brachte. Die größte Innovation der letzten Jahre stellt die minimal-invasive und somit schonende Laser-Ablation des Anfallsfokus dar. Mit Unterstützung des Vorstands der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel kann dieses zukunftsweisende epilepsiechirurgische Verfahren nun an den Epilepsie-Zentren Berlin-Brandenburg und Bethel angeboten werden. Die Nachfrage ist sehr groß.

Das Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg (EZBB) hat 1996 in enger Kooperation mit den Kliniken für Neurochirurgie und für Neurologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin ein Epilepsiechirurgie-Programm etabliert und kontinuierlich weiterentwickelt. Seit Gründung des Programms sind knapp 1.000 Patientinnen und Patienten aus der Region und darüber hinaus operiert worden – die Mehrzahl ist seitdem frei von epileptischen Anfällen.

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Gründung des Epilepsiechirurgie-Programms am EZBB fand Anfang Juli im Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH) in Berlin eine Wissenschaftliche Festveranstaltung mit mehr als 100 Gästen statt. Nach den Grußworten berichtete der ehemalige Medizinische Direktor des EZBB, Professor Dr. Heinz-Joachim Meencke, über die Gründungsgeschichte des Programms. Deutschland war bis in die frühen 1930er Jahre auf diesem Gebiet weltweit führend, während des Nationalsozialismus und in den Dekaden danach fand hierzulande keine nennenswerte Epilepsiechirurgie statt. Seit Anfang der 1990er Jahre knüpften deutsche Epilepsie-Zentren an die alte Tradition an und fanden wieder Anschluss an die internationale Entwicklung der Epilepsiechirurgie.

Prof. Dr. Martin Holtkamp spricht am Podium.
Bei der wissenschaftlichen Festveranstaltung im KEH konnte Prof. Dr. Martin Holtkamp rund 100 Gäste begrüßen.

Die präoperative Diagnostik und die operative Epilepsietherapie sind komplex und können nur bei intensiver interdisziplinärer Zusammenarbeit und Kommunikation erfolgreich sein. Vertreter und Vertreterinnen einiger der beteiligten Berufsgruppen im EZBB – Epileptologie, Case-Management, Medizinische Technologie, Neuropsychologie und Neurochirurgie – stellten im Anschluss an den Vortrag von Professor Meencke ihren Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung der Epilepsiechirurgie vor.

Die Qualität der Epilepsiechirurgie bessert sich durch die systematische Analyse der diagnostischen Schritte und der langfristigen Auswirkungen einer Operation auf die Anfallssituation und die Lebensqualität. Entsprechende Forschungsprojekte im EZBB zu einem multizentrischen Register für prächirurgische Diagnostik in deutschsprachigen Ländern und zu einer prospektiven Untersuchung der Lebensqualität bei Operierten aus den Epilepsie-Zentren Berlin-Brandenburg und Bethel wurden ebenfalls beim Festakt vorgestellt. Forschung bei Epilepsiechirurgie dient zudem der Gewinnung von grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Funktionsweise des Gehirns, indem Teile des bei der Operation entfernten Hirngewebes im Labor untersucht werden.

Austausch unter Experten: Professor Dr. Heinz-Joachim Meencke und Professor Dr. Christian Bien (r.). Fotos: Frederic Schweizer

Den Abschluss der Veranstaltung bildeten drei Vorträge mit Blick in die Zukunft der Epilepsiechirurgie zu den Themen Bildgebung von Professorin Dr. Knake (Marburg), zu kurativen versus palliativen chirurgischen Behandlungskonzepten von Professor Dr. Christian Bien (Bielefeld-Bethel) und zur Neurostimulation von Privatdozentin Dr. Elisabeth Kaufmann (München).

Zusammengefasst wird die Epilepsiechirurgie auch in Zukunft eine wichtige Säule im Behandlungskonzept von Epilepsien darstellen. Die technischen Entwicklungen, wie die Laser-Behandlung, werden zu noch mehr individualisierten Therapieangeboten führen.