Peter Hildebrand sitzt auf einem Kettkar.

Menschennah | Geschichten aus Bethel

Im Kettcar geht es um die Runde

Die Kinder auf dem Spielplatz juchzen. Jogger traben um den Ententeich, und ein Hund auf der Wiese buddelt eifrig ein imposantes Loch. Peter Hildebrand scheint das nicht zu interessieren. Der junge Mann mit einer Autismus-Spektrums-Störung eilt weiter voran. Er will immer in Bewegung bleiben. Am liebsten gemeinsam mit dem Bethel-Mitarbeiter Roman Knipprath. Wenn der Sozialpädagoge den bald 18-Jährigen fragt »Wollen wir raus?«, dann strahlt Peter Hildebrand, sagt »Jaaa. Jaa!« und zieht Roman Knipprath energisch am Arm. Die Art, wie Peter Hildebrand, der seit knapp zwei Jahren im Betheler Haus Regenbogen lebt, »Ja« sagt, hat viele Facetten. Spontan, entschlossen und laut. Oder zögerlich. Obwohl er nur wenige Wörter spricht, telefoniert er gerne. Mehrmals am Tag ruft er seine Eltern oder Großeltern an. Zu ihnen hat er ein inniges Verhältnis. Meist verbringt er die Wochenenden in seinem Elternhaus. Darauf freut er sich, sagt sein Lächeln. Doch auch im Haus Regenbogen fühlt er sich längst richtig wohl. Sein schönes Zimmer mit eigenem Bad mag er sehr. Penibel ordentlich muss es sein. Stolz zeigt er seinen Schlüssel, den er immer in der Hosentasche hat.

Die passende Schule ist nebenan

Peter Hildebrands Eltern wohnen in der Nähe. Das ist ihnen wichtig. Genauso wie die Chance, dass ihr Sohn optimal gefördert und unterstützt wird. »Peter war erst 16 Jahre alt, als er von zuhause auszog. Aber viele Fachleute haben uns dazu geraten«, erzählt Ingo Hildebrand. Für seinen Sohn stand damals ein Schulwechsel an. Vor Ort gab es keine Schule mit einem Berufsorientierungsbereich für junge Menschen mit Behinderungen. In Bethel gab es beides. Die passende Schule und das Haus Regenbogen, in dem rund 24 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Hilfebedarf individuell unterstützt werden. Dank Spenden ist es ein schönes barrierefreies Haus, nahe der Förderschule. Zu Fuß kann sich Peter Hildebrand auf den Weg machen. »Das mit Bethel ist eine wirklich gute Sache geworden«, ist sein Vater überzeugt. Peter habe viel mehr soziale Kontakte und lerne, sich in Gruppen zu integrieren.

Doch das hat seine Grenzen. Wenn die anderen laut Musik hören, sagt Peter Hildebrand entschlossen „Nein!“ und geht in sein Zimmer. Er mag es zwar, in Gemeinschaft zu essen und Zeit in den schön begrünten Innenhöfen zu verbringen. Doch ein richtig strahlendes Gesicht hat er, wenn er Kettcar fahren kann. „Ja! Jaaaa!“, sagt er dann. Viele Runden zu drehen, das ist sein Ding, auf den Fluren oder im Hof.

Text: Heike Lepkojis | Foto: Thomas Richter

Diese Geschichte einfach gesprochen

Peter Hildebrand ist ein junger Mann. Seit kurzem wohnt er im Betheler Haus Regenbogen. Denn er hat eine Form von Autismus. Im Regenbogen wird er unterstützt und gefördert. Peter Hildebrand lebt zusammen mit anderen jungen Leuten. Manchmal mag er das. Aber er will auch seine Ruhe haben. Dann geht er auf sein Zimmer. Am liebsten fährt er Kettcar.

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Kontakt

Bethel.regional
Haus Regenbogen

Quellenhofweg 75
33617 Bielefeld

Lisa Obergefell
Bereichsleitung

0521 144-2897
lisa.obergefell(at)bethel.de

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Angebote & Leistungen

Das Haus Regenbogen richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 6 bis 18 Jahren mit einer Lern- oder geistigen Behinderung auch in Kombination mit zusätzlichem Unterstützungsbedarf durch eine psychische Behinderung, eine Epilepsie oder Autismus, herausforderndes Verhalten mit heilpädagogisch intensivem Bedarf. Ziel ist es, die jungen Menschen auf der Grundlage ihres individuellen Unterstützungsbedarfs fachlich fundiert zu begleiten und zu fördern bei der Entwicklung einer selbstbestimmten und möglichst eigenständigen Lebensperspektive. 

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