Bethel - 2. Bielefelder Teilhabekongress in Bethel

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2. Bielefelder Teilhabekongress in Bethel

Im Assapheum in Bethel kommen die Menschen für den 2. Teilhabekongress in Bethel zusammen

„Gut versorgt heißt auch sozial eingebunden“

„Medizinische Stabilität ist wichtig, reicht aber nicht aus.“ Prof. Dr. Claudia Hornberg, Dekanin der Medizinischen Fakultät OWL, betonte beim 2. Bielefelder Teilhabekongress in Bethel die Bedeutung von gesellschaftlicher Teilhabe für die Lebensqualität von Menschen mit Beeinträchtigungen. „Gut versorgt zu sein, bedeutet auch sozial eingebunden zu sein, eine berufliche Perspektive zu haben und selbstbestimmt leben zu können“, sagte sie vor rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Betheler Assapheum.

„Von der Diagnose zur Teilhabe – Neuropsychiatrische Langzeitverläufe“ lautete der Titel des Kongresses, der gemeinsam von der Medizinischen Fakultät der Universität Bielefeld und den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen stand die Frage, wie Wissenschaft und Praxis die Teilhabe für die betroffenen Menschen verbessern können.

Nach Ansicht von Prof. Hornberg erfordere der demografische Wandel einen Strategiewechsel, um die Teilhabechancen betroffener Menschen zu erhöhen. Durch medizinische Fortschritte erreichten deutlich mehr Menschen ein höheres Lebensalter – insbesondere auch Menschen mit neuropsychiatrischen Erkrankungen. „Damit hat sich auch unsere Verantwortung geändert. Es geht nicht mehr nur um die Frage: Wie behandeln wir eine Erkrankung, sondern auch um die Frage: Wie ermöglichen wir ein gutes Leben über die gesamte Lebensspanne hinweg“, so die Dekanin. 

Univ.-Prof. Dr. Dr. Udo Dannlowski bei seinem Vortrag im Assapheum in Bethel
Univ.-Prof. Dr. Dr. Udo Dannlowski veranschaulichte den Wert von Langzeitstudien in der psychosozialen Medizin.

Der Ärztliche Leiter der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB), Univ.-Prof. Dr. Dr. Udo Dannlowski, betonte die Bedeutung von Langzeitstudien für die Teilhabeforschung. „Wir müssen langfristig ausgelegte Studien umsetzen, um Patienten mit psychischen Störungen über viele Jahre durch ihre Lebenswirklichkeiten begleiten zu können“, sagte er. Zur Veranschaulichung und Begründung nannte Udo Dannlowski unter anderem genetische Auffälligkeiten und Misshandlungserfahrungen aus der Kindheit. Solche Risikofaktoren führten häufig erst Jahrzehnte später zum Ausbruch einer Erkrankung. Auf zwei oder drei Jahre befristete Studien seien daher ungeeignet, Zusammenhänge zu erkennen und entsprechend geeignete Interventionen zu entwickeln. 

Für die Verbesserung von Teilhabechancen arbeiten Pastor Dr. Bartolt Haase und Prof. Dr. Claudia Hornberg eng zusammen. Fotos: Christian Weische

Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Dr. Bartolt Haase hob die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention sowie die Reformen des Bundesteilhabegesetzes für die Verwirklichung des Rechts auf Teilhabe hervor. „Das ist ein mühsamer und langer Weg, und es gab auch viele Rückschläge und Enttäuschungen“, räumte er ein. Dennoch sei es wichtig, sich bei dem Teilhabekongress inhaltlich damit zu beschäftigen, wie die unterschiedlichen Disziplinen und Fachlichkeiten in Bielefeld und in Bethel gut zusammenarbeiten können, um Menschen über einen langen Weg eine gute qualifizierte und professionelle Unterstützung anbieten zu können. „Bielefeld kann in diesem Sinne ein modellhafter Ort sein, weil es zwischen den Akteuren ein Zusammenspiel gibt, das Seinesgleichen sucht“, so Pastor Haase.