Ein bizarres Rieseninsekt „grüßt“ künftig Kunden und Kunstschaffende auf ihrem Weg in die Schlosserei der Gebal Gevelsberg. Die XXL-Biene steht mit dünnen stählernen Beinen auf der Obststreuwiese vor der Werkstatt und wirkt, als würde sie zum Abflug ansetzen. „Ihre Facettenaugen könnte ich mit Lochblech eventuell noch etwas ausdrucksstärker machen“, überlegt Francesco F., während er mit einem Akkuschrauber einen Flügel montiert.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Michael L. befestigt Francesco F. die letzten fehlenden Gliedmaßen an der etwa eineinhalb Meter großen Skulptur. Beide sind Klienten der Schlosserei, in der langzeitarbeitslose Menschen kunstvolle Objekte fertigen. Flügel, Fühler und Beine des Insekts zu entwerfen, sei sehr knifflig gewesen, erzählt der 61-Jährige. „Allein die Beine so zu biegen, dass die Biene stabil steht – das war viel Arbeit“, so der gelernte Werkzeugmechaniker. Francesco F. gehört zu den kreativen Köpfen im Bienen-Projekt. „Aber auch darüber hinaus baut er hier die tollsten Sachen“, lobt Schlosserei-Leiter Jörg Scholz. 

Eine große Skulptur einer Biene steht auf einer Wiese.
Zwei Männer halten ihre Hände an die Fühler der Bienenskulptur.

Die Schlosserei ist neben der Garten- und Landschaftspflege eines der beiden Arbeits- und Beschäftigungsangebote am Gebal-Standort Im Stift in Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet. Unter den Teilnehmenden sind auch Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht, suchtkrank oder anderweitig psychisch erkrankt sind. Für einige Klientinnen und Klienten geht es niedrigschwellig zunächst darum, täglich pünktlich zur Arbeit zu kommen und in den Tages- und Wochenrhythmus hineinzufinden. Francesco F. ist seit sechs Jahren arbeitslos und wurde vor zweieinhalb Jahren vom Jobcenter an die Gebal vermittelt. Die individuelle Belastung und die entspannte Arbeitsatmosphäre in der Schlosserei sind ideal für ihn, um wieder Fuß zu fassen. 

Ein Mann führt in einer Werkstatt Metallarbeiten durch.
»Wir sind wie eine große Familie und fangen uns gegenseitig auf.«
Francesco F.

Zurück in der Werkstatt zeigt Francesco F. stolz die Schablonen und Skizzen für die Bienenflügel, die er entworfen hat. Im Hintergrund fliegen die Funken von Schweißarbeiten, es riecht nach Metallstaub. „Das ist hier wirklich meins. Ich arbeite gerne mit Metall und mit meinen Händen“, erzählt der Ennepetaler. Sein Ziel sei es, sich über die angebotene Tagesstruktur zunächst wieder an Arbeitsabläufe zu gewöhnen, bevor er größere Pläne machen könne. 

Francesco F. ist ein ruhiger Typ. Gesellschaft und das Miteinander mit seinen Kolleginnen und Kollegen sind ihm aber wichtig. Zu Hause ist er allein. Und Einsamkeit ist ein großes Problem für ihn. „Darum komme ich morgens gerne hierher. Wir sind wie eine große Familie und fangen uns gegenseitig auf“, sagt er.

Stärke und Selbstbewusstsein ziehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch aus ihren Arbeitsergebnissen. Viele ihrer Werke werden in einem umfunktionierten Bauwagen vor der Werkstatt ausgestellt. Hier können Kunden die unterschiedlichsten Skulpturen, aber auch detailgetreue Tierfiguren, Auto- und Motorradmodelle und Dekorationsstücke bestaunen. Auf individuellen Wunsch werden auch Einzelstücke angefertigt. „Die Teilnehmer bekommen das Kundeninteresse unmittelbar mit und erhalten so ein positives Feedback auf ihre Arbeit“, so Jörg Scholz. Vieles werde auch auf Märkten verkauft. Auch dort erleben die Kreativen, dass das, was sie leisten, Sinn macht.

Text: Gunnar Kreutner | Bild: Christian Weische 

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In Gevelsberg betreibt Bethel eine eigene Schlosserei. Hier arbeiten Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten. Sie sind von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. In der Schlosserei stellen sie Kunstvolles und Nützliches aus Stahl her. Francesco F. mag die Arbeit mit Metall und das gemeinsame Miteinander im Team.

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Bethel.regional
Gebal 

Im Stift 6
58285 Gevelsberg

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