Jonah Lochmüller lächelt.

Wenn er eines besonders gut könne, erklärt Jonah Lochmüller gut gelaunt, dann Menschen zusammenbringen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Dazu hat der sympathische 20-Jährige durch seine vielfältige Arbeit in Bethel reichlich Gelegenheit, weil er jobmäßig gleich auf mehreren Hochzeiten tanzt – und das ausgesprochen gern.

Angefangen hat alles vor zwei Jahren. „Nach dem Abi wusste ich einfach nicht, was ich machen soll. Meine Mutter meinte: Ein Bethel-Jahr!“, blickt der gebürtige Bielefelder zurück. So nennt sich das Freiwillige Soziale Jahr – kurz FSJ – hier, das junge Leute nach der Schule machen können. Jonah bewarb sich und bekam „eine richtig coole Stelle“, erinnert er sich immer noch begeistert.

Gelandet ist er schließlich im „Urlaubstreff“ im Haus Siloah. Dort können Menschen mit Einschränkungen, die in Bethel wohnen und arbeiten, eine Auszeit nehmen und ihre Urlaubstage verbringen. „Ich habe mit ihnen Kuchen gebacken, Spaziergänge gemacht, Spiele gespielt und mich einfach mit ihnen unterhalten“, erzählt Jonah. „Das hat mich total angesprochen“. Denn mit der Behindertenhilfe habe er zuvor nie Berührungspunkte gehabt und dies ihn einfach neugierig gemacht. 

Jonah Lochmüller sitzt zusammen mit einem Klient im Garten.
Jonah Lochmüller sitzt zusammen mit einem Klient im Garten.

Zusätzlich war der kommunikative Berufseinsteiger als FSJ-ler noch im Haus Hawila tätig, einem Wohnheim für Menschen mit Autismus-Spektrums-Störungen und für Erwachsene mit geistigen Behinderungen. „Da habe ich morgens den Weckdienst gemacht, die Leute aus dem Bett geholt, sie gewaschen, angezogen und Frühstück gemacht“, berichtet Jonah Lochmüller, der diese mitunter herausfordernden Erfahrungen trotzdem nicht missen will. Denn dadurch habe er viele Lebensgeschichten mitbekommen, „inspirierende Menschen und coole Kollegen getroffen, aber auch emotionale Stärke und auch eine gewisse Resilienz gelernt“, bilanziert er.

Haus Hawila und den vertrauten Menschen „seiner“ Wohngruppe ist der junge Mann auch nach Ende seines Bethel-Jahres im vorigen September treu geblieben. Seitdem arbeitet er dort mit befristetem Vertrag als Pflegehelfer.

Doch mindestens genauso wichtig ist es ihm, sich um seine Nachfolgerinnen und Nachfolger als Bethel-Jährlinge zu kümmern. Denn Jonah ist zusätzlich Co-Referent in der Freiwilligenagentur und unterstützt die Neuankömmlinge dabei, sich in Bethel räumlich wie menschlich zu orientieren. Die neuen FSJ-ler treffen sich regelmäßig für jeweils eine Woche, um in Gruppenseminaren beispielsweise über Themen wie Demokratiebildung oder auch Grundlagen der Demokratie zu diskutieren.

Genau dann kommt Jonah ins Spiel; denn er arbeitet an den Seminartagen nicht nur thematisch mit und leitet die Teilnehmenden an. Sondern er sorgt auch dafür, dass sie sich zum Beispiel durch Rollenspiele besser kennenlernen. Oder er organisiert gemeinsame Ausflüge und eine Rallye durch Bethel.

 

Jonah Lochmüller sitzt auf einer Bank im Garten von Haus Hawila.
»Ich fühle mich in diesem Kosmos hier in Bethel einfach wohl.«
Jonah Lochmüller

Das alles macht ihm so viel Spaß, dass er dafür sogar freiwillig und voller Überzeugung seinen Jahresurlaub opfert: „Mich motiviert einfach total, Leuten zu ermöglichen, sich zu entfalten. Oder ihnen ihre Selbstständigkeit zu erhalten", reflektiert Jonah. „Ich übernehme auch gern Verantwortung“.
Obendrein hat er zeitweise noch Aufsicht im kleinen Fitnessraum der Betriebssportgemeinschaft Bethel gemacht. „Ich fühle mich in diesem Kosmos hier in Bethel einfach wohl und habe ein gutes soziales Umfeld mit viele Freunden, die auch hier arbeiten“, erklärt der blonde Lockenkopf jedem gern, warum er so viel Zeit und Fleiß ausgerechnet in seinen Arbeitgeber investiert. „Aber es ist schon eine Mammutaufgabe und anstrengend, das alles zu organisieren“.

Künftig will sich Jonah Lochmüller aber ausschließlich der Arbeit mit Gruppen widmen und lernen, sie professionell zu leiten; dafür habe er in Bethel Feuer gefangen. Deshalb hat er sich zum Herbst an der Uni Leipzig eingeschrieben, um Sozialarbeit zu studieren. „Gerade im sozialen Bereich bin ich sehr fähig“, schätzt er sich ein, „und in dem, was ich tue, sehr gefestigt“. Die Bereich Suchthilfe und Psychiatrie interessieren ihn besonders.

Jonah Lochmüller und ein Klient sitzen auf einer Wiese.

Das Bethel-Jahr und die anschließende Zeit als Mitarbeiter hätten ihm beruflich insgesamt die Tür ein Stück weit geöffnet – und er sich persönlich stark weiterentwickeln können, ist der engagierte, aber bodenständig gebliebene Bielefelder dankbar. 

Allen Gleichaltrigen auf der Suche nach einer FSJ-Stelle rät er, es ihm gleichzutun. „Ich glaube, dass man als junger Mensch hier extrem gut aufgehoben ist“, lobt der angehende Student. „Man bekommt Verantwortung bei der Arbeit, hat viel trotzdem Freiraum und wird auf jeden Fall super betreut. In Bethel wird mit Herz gearbeitet!“

Text: Jörn Haarmann | Fotos: Christian Weische

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Jonah Lochmüller hat ein Betheljahr gemacht. Seitdem arbeitet er in verschiedenen Bereichen in Bethel. Zum Beispiel arbeitet er in Haus Hawila, ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, oder in Betheljahr-Seminaren als Assistenz.

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