Bethel - Er erhielt Hilfe – und gibt sie heute zurück

Mann lächelt in einem Fahrradladen.

„Ich hatte eine ganz tolle Kindheit und habe in meinem Leben viel Glück gehabt“, sagt Jürgen Männel. Das ist aus seinem Mund ein bemerkenswerter Satz. Warum? Weil er in einem Kinderheim aufwuchs. In der Gütersloher Einrichtung, die heute als Haus Ibrügger zu Bethel gehört, erhielt Jürgen Männel liebevolle Aufmerksamkeit und lernte so viel fürs Leben, dass er heute, mit 53 Jahren, ein erfolgreicher Unternehmer ist. Und ein Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat.

Als er 2025 die Nachricht von einem Brand im Haus Ibrügger erhielt, „ist für mich eine Welt zusammengebrochen“, erzählt Jürgen Männel. Was er dann tat, ist typisch für ihn: Er packte an. Und sammelte mit einem Spendenprojekt und einer Tombola rund 12.000 Euro ein. Geld, das den Kindern und Jugendlichen, die das Haus Ibrügger nach dem Brand vorübergehend verlassen mussten, zugutekommt. Es soll für Dinge eingesetzt werden, die die Versicherung nicht zahlt. „Es war mir eine Herzensangelegenheit, etwas zurückzugeben“, sagt Jürgen Männel.

Mann repariert ein Fahrrad.
„Ich bin dankbar für die Menschen, die damals für mich da waren.“
Jürgen Männel

Zur Tombola steuerte er ein hochwertiges Fahrrad, Fahrradhelme und Radsport-Ausrüstung bei. Jürgen Männel ist Inhaber von Radsport Schiffner in Gütersloh. Er hat 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter sein Sohn Max. Schon als 15-jähriger Schüler fing Jürgen Männel nebenbei in dem Geschäft an und übernahm es 2006 nach dem Tod von Gründer Peter Schiffner. Zwischenzeitlich machte er bei Miele eine Ausbildung zum Industrieelektroniker und arbeitete dort 17 Jahre.

Zu Radsport Schiffner hatte ihn Werner Becker vermittelt. Der Sozialarbeiter im Evangelischen Kinderheim, dem Vorgänger von Haus Ibrügger, wusste genau: Der Junge brauchte eine Aufgabe, denn er war – so wie heute noch – voller Energie, hatte so viele Ideen. In der Werkstatt des Radsportgeschäfts konnte er sich austoben. Basteln, schrauben, anpacken – das war genau sein Ding. Genauso der Sport. Im Bodybuilding wurde Jürgen Männel nach jahrelangem Training 1995 deutscher Vizemeister und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft der World Physical Federation in Paris. Vor dem nationalen Wettkampf hielt er monatelang Diät und trainierte täglich. „Ich mache keine halben Sachen“, erzählt er, „sonst ist es vertane Zeit.“

Ein Mann steht in einem Fahrradladen.

Vier Jahre alt war Jürgen Männel, als er mit seinem siebenjährigen Bruder ins Evangelische Kinderheim an der Englischen Straße in Gütersloh kam. Die Eltern hatten sich getrennt. Die Mutter verließ die Familie, der Vater „war ein herzensguter Mensch, aber mit der Erziehung seiner beiden Kinder überfordert“, erinnert er sich.

In der Einrichtung erlernte Jürgen Männel Fähigkeiten, von denen er heute profitiert: handwerkliches Geschick, Kochen und Hauswirtschaft. Mindestens genauso wichtig: Er bekam Werte mit auf den Weg. Als er als Jugendlicher kurz einer Clique angehörte, die gern Blödsinn anstellte, „hat mir Werner Becker den Kopf gewaschen“. Liberal, weltoffen, tolerant – so beschreibt Jürgen Männel sich heute.

Mit 18 fühlte er sich bereit, auf eigenen Füßen zu stehen. Seitdem hat sich Jürgen Männel mit seiner anpackenden Art, mit Fleiß und Leidenschaft etwas aufgebaut. Seine persönliche und berufliche Entwicklung, davon ist er überzeugt, verdankt er auch den Erziehern und Sozialarbeitern wie Werner Becker. „Ich bin dankbar für die Menschen, die damals für mich da waren“, sagt Jürgen Männel. „Und ich danke denen, die heute für die Kinder und Jugendlichen da sind.“

 

Text: Philipp Kreutzer | Bild: Christian Weische

Diese Geschichte einfach gesprochen

Jürgen Männel wuchs in einem Kinderheim auf. Heute ist er erwachsen und hat ein Fahrrad-Geschäft. In dem Kinderheim hat es im Jahr 2025 gebrannt. Jürgen Männel war deshalb traurig. Aber dann hat er sofort geholfen und Geld gesammelt. Davon werden neue Sachen für die Kinder und Jugendlichen in dem Kinderheim gekauft.

Sie möchten mehr erfahren?

    Kontakt


    Bethel.regional
    Aufnahme- und Clearinggruppe Ibrügger (mit Inobhutnahme)
    Hohenzollernstrasse 28
    33330 Gütersloh

    Telefon: 05241 9027-46

    Zur Website der Einrichtung

    Angebote & Leistungen

    Das ebenerdige Gebäude liegt am Rande des Gütersloher Stadtparks und der Innenstadt in einem Wohngebiet mit naturnaher Umgebung. Das Stadtzentrum ist in 10 Minuten fußläufig erreichbar. Alle allgemeinbildenden Schulen sind am Ort vorhanden. Das Unterstützungsangebot umfasst Assistenz, Förderung und Begleitung auf der Grundlage eines Gesamtplanverfahrens. Darüber hinaus beinhaltet es Unterstützung bei der Inanspruchnahme medizinischer Versorgung durch niedergelassene Fachärzte und örtliche Kliniken sowie therapeutische Leistungen auf der Grundlage ärztlicher Verordnung durch örtliche Anbieter.

Sie suchen Hilfe?

Sie oder eine angehörige Person sind auf Hilfe oder Begleitung angewiesen und suchen Unterstützung?

Sie möchten helfen?

In Bethel gibt es viele Möglichkeiten selber zu helfen. Wir freuen uns über jede Unterstützung!