Kai kuschelt mit Hund Otto.

Menschennah | Geschichten aus Bethel

Kai und die Tiere

Der Wind riecht nach frisch gemähten Kornfeldern. Mächtige Bäume recken sich in den Himmel. Alles wuchert so grün, dass der kleine Hof von der Straße aus kaum zu sehen ist. Wilder Efeu umrankt das Wohnhaus. Wer die Gartentür zu dem riesigen Grundstück öffnet, wird von Otto begrüßt. Der winzige Hund bellt wie ein großer. Sein Kumpel ist ein Dalmatiner und wedelt gelassen mit dem Schwanz. Und das ist längst nicht alles, was die Wohngruppe zu bieten hat. Es gackert, meckert, scharrt und wiehert rund um den Hof – ein Angebot von Bethels Jugendhilfe in Niedersachen mit unverkennbar tiergestützter Pädagogik.

Hier wohnt Kai zusammen mit drei weiteren Kindern und Jugendlichen. Kai ist elf Jahre alt und sagt: „Einfach alles ist gut. Und die Tiere sind toll.“ Kai war nicht einmal drei Jahre alt, als er in die Betheler Wohngruppe aufgenommen wurde. „Er brauchte viel Zuwendung und Sicherheit. Er musste gefördert werden, um besser laufen und sprechen zu lernen. Und es war ein langer Weg, bis Kai beruhigt durchschlafen konnte“, erzählt Andrea Hohmann.

Die Erzieherin mit Zusatzausbildung in tiergestützter Pädagogik lebt und arbeitet auf dem kleinen Hof. Alle Mitarbeiterinnen der Wohngruppe sind stets für die Kinder da. Sie geben ihnen Sicherheit und Nähe. Sie kümmern sich darum, dass die Kinder rechtzeitig zur Schule kommen, fördern sie, kochen. Sie machen Ausflüge. Halten den Kontakt zum Jugendamt. Für die Kinder sind sie nach all den Jahren einfach Familie. Eine Familie, in der gelacht, gelobt, getröstet und manchmal auch geschimpft wird. Hinzu kommen die Tiere. „Ihnen ist es völlig egal, ob ein Kind lügt, gut oder schlecht in der Schule ist oder wie chaotisch sein Zimmer aussieht. Tiere verschenken ihre Zuneigung immer ohne Vorbehalte. Und das tut allen Kindern gut“, ist Andrea Hohmann überzeugt.

Kinder, die in Einrichtungen der Jugendhilfe leben, haben meist einiges hinter sich. Aus den unterschiedlichsten Gründen konnten sich ihre Mütter und Väter nicht verlässlich um sie kümmern. Manche Kinder wurden vernachlässigt, anderen haben auch Gewalt erfahren. Umso wichtiger ist es für sie, an einem geschützten Ort mit verlässlichen Beziehungen aufwachsen zu können. Mit den Tieren lässt sich zudem therapeutisch arbeiten, denn sie sprechen eine besondere emotionale Ebene an. Sie helfen Kindern, Traumata zu bewältigen.

Kai putzt ein Pferd mit der Bürste.
Kai steht mit einer Pflanzkelle am Hochbeet.

Das Konzept geht auf. Kai, der im Kindergarten noch einen hohen Förderbedarf hatte, geht jetzt auf ein Gymnasium. Er hat gute Freunde. Er lacht und spielt unbeschwert. Auch die anderen Kinder und Jugendlichen in der Betheler Wohngemeinschaft fühlen sich wohl. Für sie gehören die Esel, Ponys, Pferde und Alpakas, die Hühner, Enten, Katzen und Schildkröten einfach zur Familie. Nur mit Viola, der arg bockigen Ziege, hat Kai seine Probleme. Ohnehin sind ihm die Hunde am liebsten. Der Dalmatiner darf in Kais Zimmer schlafen. Vor dem Bett! Der kleine Otto schafft es sogar, sich manchmal bis unter die Bettdecke zu schleichen. Nur bellen darf er nicht. Wozu auch – es droht ja keine Gefahr.

Text: Heike Lepkojis | Foto: Thomas Richter

Diese Geschichte einfach gesprochen

Kai ist elf Jahre alt. Schon als kleines Kind kam er in eine Wohngruppe. Dort lebt er mit anderen Kindern zusammen. Der kleine Hof liegt zwischen Feldern und Wäldern. Ganz viele Tiere gehören dazu. Es gibt Pferde und Esel. Alpakas und Ziegen. Enten und Hühner. Hunde und Kaninchen. Die Tiere und die Mitarbeiterinnen von Bethel tun den Kindern gut.

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Über die Einrichtung

Bethel im Norden
Kinder-, Jugend- und Familienhilfe

Lange Straße 36
49356 Diepholz

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Angebote & Leistungen

Seit Jahren begleitet und unterstützt Bethel im Norden ganz individuell Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Familien. Zum Angebotsspektrum gehören neun sozialpädagogische Wohngruppen, die sich dezentralisiert an verschiedenen Standorten im Landkreis Diepholz befinden. Die Wohngruppen richten sich nach unterschiedlichen pädagogischen Profilen aus und bieten somit eine Vielzahl an interdisziplinären Fördermöglichkeiten.

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