Mit ruhiger Hand lässt Elisabeth Reich den Buntstift über das Papier vor ihr gleiten. Sorgfältig malt sie eine der Knospen des Mandalabaums in einem dunklen Blau an. Der Baum vor ihr leuchtet in zarten Hellblau, Pink- und Lila-Tönen „Jeder kann im Kreativraum so malen, wie er möchte“, betont sie. Wie viele andere Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims nutzt sie diesen Raum regelmäßig. Hier, zwischen Farben, Papier und anderen Menschen, fühlt sie sich weniger allein. Als sie erneut in die Kiste greift, um sich eine weitere Farbe auszusuchen, ist sie ganz in ihrem Element.

Seit April vergangenen Jahres lebt Elisabeth Reich im Pflegezentrum Haus Hannah in der Ortschaft Bethel. Ein Jahr zuvor war ihr Mann Friedrich Hermann schwer erkrankt. Er musste ins Pflegeheim, während sie allein in ihrem gemeinsamen Haus im Bielefelder Stadtteil Brackwede zurückblieb. Sie besuchte ihren Mann oft im Haus Hannah. Bis er im August 2024 verstarb. 

„Ich bin eigentlich sehr kontaktfreudig. Als ich alleine gewohnt habe, haben mir die Kontakte gefehlt.“ Elisabeth Reich führt ihren Haushalt in jener Zeit erfolgreich alleine und verabredet sich zunächst mit Freunden zu Telefonaten. Erst nach und nach merkt sie, dass das Alleine-sein Spuren hinterlässt – ein schleichender Prozess, den sie so nicht erwartet hätte. Schon bald verändert sich ihr Alltagsablauf. Sie isst unregelmäßiger und nimmt dadurch sichtbar ab. Sie erzählt: „Meine Tochter hat sich Sorgen gemacht. Ich war etwas heruntergekommen und sah mitgenommen aus.“ Als Elisabeth Reich schließlich in ihrem Haus stürzt und ein Schlaganfall nicht ausgeschlossen werden kann, beschließen ihre drei Kinder, dass es für sie besser sei, in eine Pflegeeinrichtung umzuziehen. 

Nun genießt sie die Vorteile, die das Leben im Pflegezentrum mit sich bringt. „Man muss nicht mehr einkaufen oder kochen, das erleichtert vieles“, sagt sie. Seit ihrem Einzug geben feste Essenszeiten ihrem Alltag Halt und Strukturierung. Das Pflegezentrum bietet den Seniorinnen und Senioren eine Vielzahl an Aktivitäten, an denen sie freiwillig teilnehmen können: vom gemeinsamen Singen bis hin zu sportlichen Angeboten wie der Sitzgymnastik. Zu vielen der Bewohnerinnen und Bewohner hat Elisabeth Reich ein persönliches Verhältnis. Sie freut sich, wenn sie sich bei gemeinsamen Veranstaltungen treffen. 

»Wenn ich hier in Bethel die Straßen entlanggehe, dann kann ich jeden grüßen.«
Elisabeth Reich

Durch ihre Ausbildung zur Krankenschwester an der Pflegeschule Nazareth kennt Elisabeth Reich auch viele Menschen in Bethel. Zur Zionsgemeinde pflegt sie einen guten Kontakt. Gelegentlich trifft sie sich mit alten Arbeitskollegen zum Kaffeetrinken beim Bäcker um die Ecke. Bevor Elisabeth Reich mit ihrem Mann und ihren Kindern nach Brackwede zog, lebte die Familie jahrelang am Remterweg in der Ortschaft. Sie erzählt: „Wenn ich hier in Bethel die Straßen entlanggehe, dann kann ich jeden grüßen.“ 

Jetzt wohnt sie in einem Zimmer im Untergeschoss. Es gefällt ihr dort, da sie schnell in den Garten des Pflegezentrums gelangt. Wenn sie nicht gerade Mandalas ausmalt, verwendet sie die fertigen Bilder gerne als Karten und schickt sie ihrer Familie. Vor Kurzem hat sie von ihrem Enkel auch eine Karte zugeschickt bekommen. „Viele Menschen hier im Haus haben niemanden mehr“, erzählt Elisabeth Reich und schaut dabei nachdenklich in die Ferne. „Ich denke mir immer: Was bin ich reich, also nicht nur wegen meines Namens“, dabei lacht sie laut, „sondern weil die Kinder und Enkel weiterhin Kontakt zu mir halten.“ 

Die noch unfertig geschriebenen Karten, die auf dem Schreibtisch in ihrem Zimmer liegen, wird sie in den nächsten Tagen verschicken. Sie sind kleine Einsamkeitsvertreiber.

 

Text: Mira Petzolt | Bild: Matthias Cremer

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Elisabeth Reich wohnt im Pflegezentrum Haus Hannah in Bethel. Davor hat sie alleine in einem Haus im Stadtteil Brackwede gewohnt. Dort fühlte sie sich einsam. Im Pflegezentrum fühlt sie sich nun gut aufgehoben. Die festen Essenszeiten und die Vielzahl an angebotenen Aktivitäten geben ihr im Alltag Halt.

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Kontakt

Pflegezentrum Haus Hannah
Saronweg 2
33617 Bielefeld

Telefon: 0521 144-2461

E-Mail: birgit.michels-riess(at)bethel.de

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Angebote & Leistungen

In drei Wohnbereichen bietet das Haus Hannah jeweils 26 bzw. 27 Einzelzimmer mit eigenen, barrierefreien Badezimmern sowie einer Wohnküche pro Etage.

Den Mittelpunkt jeder Wohngruppe bildet ein offen gestaltetes Wohn- und Esszimmer mit angeschlossener Küche. Hier können die Seniorinnen und Senioren den Tag gemeinsam gestalten und auf Wunsch an der Zubereitung der Mahlzeiten teilnehmen. Die Wohnküchen haben Terrassen bzw. Balkone, damit auch im Bett liegende oder im Rollstuhl sitzende Menschen am Leben innerhalb und außerhalb des Hauses teilhaben können. Im Außenbereich im Garten finden sich neben verschiedenen Sitzmöglichkeiten rollstuhlgerechte befestigte Wege.

 

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