Bethel - Pastor Haase hospitiert in Haus Emmaus
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Pastor Haase hospitiert in Haus Emmaus

Michael Schwarz (r.) freut sich über eine weitere gewürfelte Sechs beim „Mensch ärgere dich nicht“ mit Pastor Dr. Bartolt Haase.
Michael Schwarz hört gar nicht mehr auf zu grinsen. Zweimal hat er beim „Mensch ärgere dich nicht“ schon gewonnen, und auch in der dritten Runde ziehen die vier Spielfiguren des Klienten auf dem Brett unaufhaltsam ins Häuschen. Eine neuerliche Serie gewürfelter Sechsen löst bei seinem Gegner Kopfschütteln aus. „Das geht hier schon die ganze Zeit so“, brummt Pastor Dr. Bartolt Haase – und beginnt zu lachen. Ein wenig Erstaunen schwingt darin mit, vor allem aber Freude an Begegnungen wie dieser bei seiner Hospitation im Haus Emmaus in Bethel – trotz der erneuten Niederlage.

Raus aus dem Büro, rein in die direkte, unmittelbare Arbeit mit hilfebedürftigen Menschen: Das ist der Sinn der Hospitationen, die der neue Vorstandsvorsitzende zweimal pro Jahr bei Betheler Angeboten absolviert. Im Haus Emmaus folgt für ihn einer Spätschicht in einer Wohngruppe für Erwachsene mit komplexen Mehrfachbehinderungen und Epilepsie am nächsten Tag eine Frühschicht in der Kurzzeitpflege für Personen mit kognitiven Einschränkungen. „Ich mache das, um die Menschen kennenzulernen und zu sehen, wie die Situation vor Ort ist“, sagt er. „So bekomme ich auch ein besseres Verständnis für die Kolleginnen und Kollegen und ihre Arbeit. Es ist eben ein Unterschied, ob man direkt dabei ist oder ob man am Bildschirm oder auf Papier auf Stellenzahlen guckt.“ So etwas wie Kontrollbesuche, das ist Pastor Haase wichtig zu betonen, seien seine Hospitationen aber nicht.
In der Frühschicht schmiert er Brote und trägt Teller an die Tische, an denen Klientinnen und Klienten frühstücken. Zwischendurch ergeben sich Gelegenheiten für Gespräche, auch mit den Kolleginnen und Kollegen: Was läuft gut, was nicht? Wo drückt der Schuh? Später kommt Pastor Haase auch bei den Tagesgestaltenden Angeboten des Hauses mit Menschen ins Gespräch.

Am Tag zuvor hat der Bethel-Chef auch lange mit Edmund Leschanz gesprochen. Der Klient lebt seit vielen Jahren in einer Wohngruppe im Haus Emmaus. Pastor Haase fragt ihn, wie es ihm geht, ob und wo er eine Beschäftigung hat und ob er sich im Fernsehen die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ansieht. Das Gespräch geht immer mehr in die Tiefe, und so erzählt Edmund Leschanz schließlich vom Tod seiner Partnerin, die ebenfalls im Haus Emmaus lebte. „Ich vermisse sie so“, sagt er zu Pastor Haase, „wir haben so viel zusammen gemacht.“ Ein Foto von ihr hängt an der Wand an dem Platz, an dem Edmund Leschanz immer zum Essen sitzt. Pastor Haase sitzt bei ihm und hört zu. Nachdem Edmund Leschanz ihm sein Herz ausgeschüttet hat, bedankt er sich: „Du hast mir meine Sorge genommen. Mir geht’s jetzt besser.“
Nach seinen beiden Schichten im Haus Emmaus zieht Pastor Haase ein positives Fazit. „Ich habe bei den Menschen, die ich getroffen habe, ganz viel Offenheit erlebt und bin dafür sehr dankbar“, betont er. Und was hat er gelernt? „Jeder Mensch hat seine eigenen Bedürfnisse, seine eigenen Wünsche, sein eigenes Lebenstempo“, antwortet Pastor Haase. „Ich finde es ganz wichtig, dass man sich auf den jeweiligen Menschen und dessen Tempo einlässt und nichts überstülpt. Das ist das Wichtigste, was ich an diesen Tagen gelernt habe.“


