Menschennah | Geschichten aus Bethel

Aus dem gleichen Holz geschnitzt

Holz ist die große Leidenschaft von Daniel Heinzmann, Inhaber der Tischlerei „woodsense“ in Bielefeld-Hillegossen. Begeistert spricht er über das Naturmaterial: „Jedes Holz hat eine individuelle Maserung, einen eigenen Charakter und ganz besondere Eigenschaften für die Verarbeitung“, erklärt er seinem Mitarbeiter Philip Fengler, während er mit der flachen Hand über ein dickes Brett streicht. 

Nur hochwertigstes Massivholz, unter anderem aus dem Bielefelder Forst, werde in seinem Betrieb verwendet, betont Daniel Heinzmann. Philip Fengler teilt die Begeisterung seines Chefs. „Bei unserem Handwerk muss man ein tiefgehendes Interesse für Holz aufbringen, damit man Spaß daran hat“, sagt der 30-Jährige, der erst seit einem Dreivierteljahr bei „woodsense“ arbeitet – auf einem betriebsinte­grierten Arbeitsplatz. Und Spaß hat er: „Das ist genau das, was ich immer wollte: eine abwechslungsreiche handwerkliche Arbeit in einem ganz normalen Unternehmen“, erzählt der Mann, der zuvor in der Bethel-Werkstatt Kracks in Bielefeld-Sennestadt beschäftigt war.

Philip Fengler sägt etwas aus
»Das ist genau das, was ich immer wollte: eine abwechslungsreiche handwerkliche Arbeit in einem ganz normalen Unternehmen.«
Philip Fengler

Ganz normal ist die Tischlerei aber eben doch nicht. Denn Daniel Heinzmann und seine Frau Dorina Heinzmann bringen eine besondere Empathie für die Situation von Menschen mit Beeinträchtigungen auf. Darum beschäftigen sie zwei Menschen aus Bethel in ihrem Betrieb an der Detmolder Straße. „Wir sind alle aus dem gleichen Holz geschnitzt“, findet Daniel Heinzmann. Darum sollten Menschen mit Beeinträchtigungen auch ganz selbstverständlich in das Arbeitsleben eingebettet sein. Dorina Heinzmann ergänzt: „Arbeit, an der man Freude hat und über die man Wertschätzung erfährt, ist für alle Menschen wichtig.“

Die Tischlerei „woodsense“ hat sich auf den Saunabau spezialisiert. Philip Fengler gefällt das projektmäßige Anfertigen von Saunen unterschiedlichster Bauart – und dass er unmittelbar sichtbare Erfolgserlebnisse hat. „Das tut dem Selbstwertgefühl gut“, sagt der gelernte Holzbearbeiter, der an einer Sehschwäche und einer psychischen Beeinträchtigung leidet. Beides hindere ihn nicht daran, beim Tischlern sein handwerkliches Geschick entfalten zu können. „Es ist abwechslungsreich und familiär hier. In der Werkstatt für behinderte Menschen war es für mich persönlich oft zu monoton und unruhig.“

Zwei Männer sägen ein Stück Holz aus

Philip Fengler wollte zurück auf den ersten Arbeitsmarkt. Aktuell ist er zwar noch in einem Beschäftigungsverhältnis mit der Werkstatt für behinderte Menschen. Doch das soll sich ändern. „Wir wollen ein Inklusionsbetrieb werden und haben dies formal beim Landschaftsverband beantragt“, berichtet Daniel Heinzmann. Dann wären Philip Fengler und der zweite Mitarbeiter aus Bethel, Dominik Kruse, sozialversicherungspflichtig angestellt. Für Dominik Kruse, der erst seit wenigen Wochen zu dem neunköpfigen Team gehört, wäre das ein emotionaler Quantensprung: „Das wäre kopfmäßig eine weitere deutliche Aufwertung, zumal ich dann ganz normal Gehalt beziehen würde“, freut sich der 30-Jährige.

Text + Bild: Gunnar Kreutner

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Philip Fengler hat früher in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Bethel gearbeitet. Heute arbeitet er in einer Holzwerkstatt außerhalb von Bethel. In dieser Werkstatt werden Saunen gebaut. Philip Fengler findet die Arbeit spannend und fühlt sich in seinem Team wohl.

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