Pinkes T-Shirt, pink gefärbte Haare und pink lackierte Nägel: Die Lieblingsfarbe von Antje Gärtner ist unschwer zu erkennen. Die Aufmerksamkeit in der Beschäftigungstagesstätte (BTS) Lichtenberg erregt die Klientin aber nicht nur durch ihr farbenfrohes Erscheinungsbild, sondern vor allem durch ihre herzliche und aufgeschlossene Art. Weil es ihr in der Lobetaler Einrichtung für psychisch erkrankte Erwachsene so gut gefällt, kommt die 36-Jährige fünfmal pro Woche zum Kochen, Basteln oder einfach nur Unterhalten. „Die BTS ist wie eine Familie für mich“, sagt Antje Gärtner. In den geschützten Räumlichkeiten lernt sie gerne neue Leute und deren unterschiedliche Eigenschaften kennen.
Bethel - Sie sieht ihre Zukunft pink

Besonders schätzt die feinfühlige junge Frau den Umgangston in der Berliner Beschäftigungstagesstätte. „Hier wird niemand angemotzt, wenn er mentale Probleme oder keine Lust auf soziale Kontakte hat.“ Dass woanders ein viel rauerer Tonfall herrschen kann, hat Antje Gärtner bereits in der Schule mehrfach leidvoll erfahren. Dort wurde sie nicht nur wegen ihres unvollständigen sechsten Fingers gemobbt, sondern erhielt sogar Todesdrohungen. „Da fingen meine psychischen Probleme an“, erinnert sich Antje Gärtner, die gebürtig aus Frankfurt/Oder stammt und als Kind mit ihrer Mutter nach Berlin zog.
Nach ihrem Realschulabschluss absolvierte sie zunächst eine Ausbildung als Kauffrau für Bio-Lebensmittel, ehe sie sich nach mehreren Gelegenheitsjobs aufgrund psychischer Probleme in klinische Behandlung begeben musste. Nachdem sie mental wieder einigermaßen stabil war, brachte ein persönlicher Schicksalsschlag Antje Gärtner anschließend erneut in die Klinik. Im Anschluss versuchte sie, mit einer Sekretariatsstelle beruflich wieder Fuß zu fassen. Doch was ihr bei der Arbeit widerfuhr, zerstörte ihr bereits geringes Selbstvertrauen vollständig: „Mein Chef hat mir gesagt, dass ich im Hinblick auf meine Leistungsfähigkeit ein Fünf-Prozent-Mensch bin“, berichtet Antje Gärtner. „Er hat mich täglich angeschrien und zum Weinen gebracht.“
Durch viele Gespräche mit Bezugsmitarbeitenden und anderen Klientinnen sowie die regelmäßige Teilnahme an den tagesstrukturierenden Angeboten hat Antje Gärtner in der BTS nicht nur ihre Lebensfreude zurückgewonnen, sondern auch ein ganz neues Selbstbewusstsein entwickelt: „Ich bin eben, wie ich bin. Und wer mich nicht mag, den brauche ich nicht.“ Wie wichtig der Berlinerin die täglichen Aktivitäten in der Beschäftigungstagesstätte geworden sind, zeigt sich bei einem ihrer liebsten Hobbys, dem Shoppen: „Ich kaufe für die Bastelkurse häufig Bretter, Kleber oder Mosaiksteine. So haben wir immer genug auf Vorrat.“

Wenn die BTS nachmittags schließt, pendelt Antje Gärtner mit dem Bus rund 45 Minuten zu ihrer Wohnung. Dort erwarten sie dann schon sehnsüchtig ihre zwei Katzen. Besonders hingebungsvoll kümmert sie sich in ihrer Freizeit um ihren Kater „Hunter“, der bei einem Unfall schon den Sturz aus dem neunten Stockwerk überlebt hat und zudem unter epileptischen Anfällen leidet. „Hunter bringt mir so viel Liebe entgegen und passt super zu mir, weil wir beide schon so viel durchgemacht haben“, sagt die Bethel-Klientin.
Text: Simon Steinberg | Bild: Matthias Cremer
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Antje Gärtner besucht fünfmal pro Woche die Lobetaler Beschäftigungsstätte Lichtenberg, um zu kochen oder basteln. Sie fühlt sich dort angenommen wie in einer Familie. Nach Mobbing und psychischen Krisen fand sie neue Freude und Selbstvertrauen.
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Kontakt
Berlin - GPVA -
Beschäftigungstagesstätte (BTS) Lichtenberg
Josef-Orlopp-Str. 42
10365 Berlin
Telefon: 030 21239758
Angebote & Leistungen
Die Beschäftigungstagesstätte befindet sich gut erreichbar im Bezirk Lichtenberg und bietet psychisch beeinträchtigten Menschen des Bezirkes Unterstützung bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Eine Tagesstruktur von montags bis freitags in verschiedenen Gruppen wie Kochen, Kunsthandwerk, Bewegungsangebote und thematische Gesprächsgruppen werden angeboten. In der Themengruppe besteht die Möglichkeit des gemeinsamen Gesprächsaustauschs in geschützter Atmosphäre unter professioneller Begleitung.


