Auf fast ein Jahrhundert kann Schwester Elisabeth Christiani zurückblicken. Als sie auf die Welt kam, fuhr noch die Graf Zeppelin als Luftschiff im Himmel über Berlin. Doch die Großstadt Berlin war für Elisabeth weit entfernt. Die 97-Jährige Diakonisse, die fast ihr ganzes Leben lang in Bethel gearbeitet hat, wuchs in einem kleinen Dorf auf.
In gewisser Weise hat dieser Umstand dazu beigetragen, Diakonisse zu werden. „Ich komme aus einem christlichen Elternhaus. Die jungen Männer bei uns gingen zur Schule und bekamen den Hof, die Mädchen konnten heirateten. Das war alles!“, erzählt sie. Ein neuer Pastor in der Gemeinde habe ihr vorgeschlagen, doch nach Bethel zu gehen, um dort anderen Menschen zu helfen. Bethel, das war ihr aus Erzählungen ein Begriff. Und so fuhr sie 1946 als 18-Jährige mit der Bahn nach Bielefeld.
Sie wurde Mitglied in der Schwesternschaft Sarepta, die heute zu den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel gehört. Die Diakonissen arbeiteten unter anderem in Kliniken und Behinderteneinrichtungen. „Da hatte ich zum ersten Mal mit schwerstbehinderten Kindern zu tun. Das habe ich vorher noch nie gesehen. Ich habe mich hilflos gefühlt, weil ich nicht verstand, was die Kinder wollten“. Ihre Mitschwestern hätten ihr zum Glück dabei geholfen.
Auch im Krankenhaus Gilead arbeitet sie. Als Krankenschwester auf der Geburtsstation. Bewusst gewählt war diese Entwicklung nicht. „Da konnte man nicht selbst entscheiden, was man macht. Man wurde ins Mutterhaus bestellt, und dann hieß es: „Wir haben gedacht, Sie gehen jetzt dahin.“

»Ich habe aber meinem Gott, der mich hierhergeführt hat, vertraut.«
Die Arbeitstage waren lang. Und der Umgangston im Krankenhaus der 50er und 60er Jahre nicht von überbordender Empathie geprägt. Manchmal sei sie verzweifelt. „Ich habe aber meinem Gott, der mich hierhergeführt hat, vertraut.“ Und der scheint ihr die Kraft gegeben zu haben, sich bis zur Stationsleiterin hochzuarbeiten. Begleitet von vielen schönen Momenten. Besonders die Weihnachtszeit lag ihr am Herzen. Mit Weihnachtsbäumen, Kerzen aus Wachs und Geschenken, die sie für die Mitarbeitenden selbst hergestellt hatte. Und, das ist ihr wichtig: mit tollen Zivildienstleistenden.
Seit 1993 ist Schwester Elisabeth im Ruhestand. Viele Jahre übernahm sie den Küsterdienst in der Gilead-Kapelle. Und sie fuhr in den Urlaub – mit dem eigenen Auto und in „zweckzivil“, also ohne die obligatorische Tracht, wie sie vergnügt berichtet. Allein ging es nicht nur durch Frankreich.
Vor vier Jahren war dann allerdings Schluss am Steuer: „Ich habe meinen Golf auf einem Parkplatz zu Schrott gefahren. War wohl ein göttliches Zeichen“, sagt die humorvolle Dame, die inzwischen in einem im Betheler Pflegezentrum in Bielefeld umsorgt wird. „Ich habe meine Schutzengel schon sehr strapaziert, aber sie waren immer zuverlässig“! Und sie sind lange im Dienst. Hoffentlich bleiben sie es noch ein Weilchen, denn Schwester Elisabeth sagt: „Auch jetzt freue ich mich immer noch auf jeden neuen Tag.“
Text: Jörn Haarmann | Fotos: Matthias Cremer
Diese Geschichte einfach gesprochen
Seit 79 Jahren ist Elisabeth Christiani Sarepta-Schwester in Bethel. Als 18-Jährige kam sie mit dem Zug nach Bielefeld und hat angefangen in Bethel als Diakonisse zu arbeiten, zum Beispiel in Kliniken oder in der Behindertenhilfe. Trotz der anstrengenden Arbeit, hat ihr der Glaube zu Gott Kraft gegeben.
Sie möchten mehr erfahren?
Kontakt
Sarepta Schwesternschaft
Am Zionswald 5
33617 Bielefeld
Angebote & Leistungen
Die Sarepta Schwesternschaft ist eine Gemeinschaft von Frauen unterschiedlicher Generationen. Sie arbeiten in unterschiedlichen sozialen Arbeitsfeldern von Diakonie und Kirche im Haupt- und Ehrenamt. In der Schwesternschaft werden Glauben, Leben, Arbeiten und Lernen miteinander verbunden.