Bethel - Zwei Herzen schlagen in ihrer Brust

Eine Dame lächelt herzlich.

„Wenn das mal gut geht mit dir“, meinte die Mutter skeptisch, als ihre damals 18-jährige Tochter 1951 die Pflegeausbildung als Diakonische Schwester in Bethel begann. Es ging gut. Es ging sogar so gut, dass Marianne Boberg nun ihr 75-jähriges Jubiläum in der Sarepta Schwesternschaft feiert. „Dabei konnte ich den Krankenhaus-Geruch nie leiden und galt bei meinem Eintritt wegen Kreislaufproblemen nur als bedingt tauglich“, erinnert sich die 93-Jährige. 

Eigentlich wollte Marianne Boberg Erzieherin werden. Nach der Volksschule half sie in einem Kindergarten in Enger aus, der von einer Diakonisse geleitet wurde. Diese nahm die junge Frau mit zu Gottesdiensten und Einsegnungen nach Bethel. „Mir gefielen die Gemeinschaft und das Miteinander.“ Diakonisse wollte sie jedoch nicht werden. Dieser Entschluss enttäuschte nicht nur ihre Mentorin, sondern verbaute ihr auch die Chance, ihren Traumberuf zu ergreifen. Nur Diakonissen konnten zu jener Zeit in christlicher Tradition Kindergärtnerinnen werden.

In ihrer Ausbildung lernte die Pflegeschülerin verschiedene Bereiche in Bethel sowie Krankenhäusern in Gütersloh und Herford kennen. Nach dem Examen 1954 war Marianne Boberg, die damals noch ihren Mädchennamen Bruckfeld trug, offiziell eine Diakonische Schwester. Der rapide Rückgang der Diakonissen in den 1950er-Jahren öffnete ihr eine neue Tür: Sie durfte als Gemeindeschwester in Bielefeld arbeiten. „Das war eine große Sache, denn dieses Amt war bis dahin Diakonissen vorbehalten“, erklärt Marianne Boberg. 

Der Verzicht auf Ehe, zu dem sie sich als Diakonische Schwester verpflichtet hatte, fühlte sich zunächst nicht als Einschränkung an. „Ich wollte nie heiraten.“ Doch das Leben – oder eher ihr Zahnarzt – hatte andere Pläne: Der Dentist erzählte seinem Freund von einer Patientin, die gut zu ihm passen würde. Und so war es kein Zufall, dass, wann immer sie einen Termin in der Praxis hatte, derselbe Mann im Wartezimmer saß. Der Zahnarzt hatte nicht nur einen guten Blick für Karies und Parodontitis, sondern auch für die Liebe: Seine Patientin und sein Freund verliebten sich und heirateten. 

Mit dem Bund fürs Leben war offiziell das Ende in der Glaubensgemeinschaft besiegelt. „Auf dem Papier war ich keine Schwester mehr“, berichtet Marianne Boberg. „Aber ich habe die Vorzüge des Mutterhauses Sarepta weiter genossen; ich besuchte Begegnungstage und nahm an Fortbildungen teil.“ Marianne und Walter Boberg gründeten eine Familie und bekamen drei Söhne. „Unsere Kinder waren oft im Mutterhaus oder haben im Zionswald gespielt.“ Als die jüngsten Söhne in den Kindergarten kamen, nahm Marianne Boberg ihren Dienst in der Gemeinde wieder auf. „Die Oberschwester sorgte sogar dafür, dass ich meine Tracht, die Haube und die Brosche, im Dienst tragen konnte, sodass die Menschen wieder eine ,richtige‘ Gemeindeschwester hatten.“ 

Eine Dame lacht herzlich.
»Ich bin mit ganzem Herzen Sarepta-Schwester.«
Marianne Boberg

„Ich bin sehr dankbar, dass ich ein so reiches Leben – sowohl als Ehefrau und Mutter wie auch als Diakonische Schwester – führen konnte.“ Sie habe nie verstanden, warum sich die Schwesternschaft so lange gegen die Aufnahme von verheirateten Frauen gewehrt habe. „Die Gemeindeschwestern gehen in Familien, da kann es nur nützen, wenn sie selber auch Familie haben“, war sie schon immer überzeugt. Erst Ende der 1960er-Jahre wurde das System reformiert und für Verheiratete geöffnet. 

„Ich bin mit ganzem Herzen Sarepta-Schwester“, betont Marianne Boberg. Nach dem Tod ihres Mannes fand sie Halt und Trost in der Gemeinschaft. Mit 72 Jahren zog sie in die Ortschaft Bethel und genoss die räumliche Nähe zu ihren Schwestern. Ihren 90. Geburtstag feierte sie drei Tage lang im Freizeit- und Kulturzentrum Neue Schmiede. Mittlerweile lebt sie in einem Altenheim in Bielefeld-Schildesche und schätzt die Ruhe – auch an ihrem 93. Geburtstag. „Aber ich habe 87 Anrufe bekommen“, sagt sie und deutet auf eine Strichliste. „Gut, dass mein Kopf noch so mitmacht und ich viele schöne Erinnerungen habe. Aber manchmal bin ich doch überrascht, dass das alles schon so viele Jahre her sein soll ...“ 

Text: Christina Heitkämper | Bild: Matthias Cremer

Diese Geschichte einfach gesprochen

Marianne Boberg ist 93 Jahre alt. Sie machte eine Pflegeausbildung und wurde Diakonische Schwester in Bethel. Obwohl diese damals nicht heiraten durften, verliebte sie sich, heiratete und bekam drei Kinder. Später arbeitete sie wieder in der Gemeinde. Heute lebt sie im Altenheim und ist dankbar für ihr Leben.

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